Von Heinz Josef Herbort

Mit diesem Wagen ist mehr als nur ein Auto zu testen. Im BMW touring 2000 tii zwei Wochen lang über Autobahnen zu jagen und durch Städte zu schleichen, das Kopfsteinpflaster norddeutscher Bauerndörfer zu erfühlen und sich auf der glitschigen Kunststoffbahn einer Antischleuderschule zu bewegen, einen Sportwagen abzuhängen und einen Rasenmäher zu transportieren oder auch nur die "inka"-farben, das heißt in dem Rot zwischen einer Clementine und einer Tomate lackierte Limousine vor der Haustür zu parken, bedeutet: ein Gefährt zu prüfen, aber auch eine himmelstürmende Strategie seiner Macher, die Politik eines Verkehrsministers wie die Mechanismen der Statuszuweisung in unserer Gesellschaft – und die Psychologie des Verkehrsteilnehmers im allgemeinen und des Autobahnbenutzers im besonderen.

Als die Bayerischen Motorenwerke vor rund fünf Jahren ihren Zweitürer 1600, den "Kleinen", herausbrachten, fanden ihre Marketingexperten die wohlklingende und anspruchsvolle Formel von der "psychologischen Marktlücke". Darunter verstanden sie die Tatsache, daß bei vielen Zeitgenossen mit mittleren bis gehobenen Einkommen zwar der Wunsch nach einem leistungskräftigen, das hieß vor allem: schnellen und doch sicheren Wagen bestand, bis dahin aber nur große und teure Limousinen und Sportwagen angeboten wurden – eine Lücke, in die BMW mit Erfolg stieß.

Heute hat sich zwar das Angebot vergrößert, der "Kleine" hat in seiner Größenklasse deutliche Konkurrenten bekommen; auch die Einkommen sind gestiegen (die Automobilpreise nicht ganz in dem Maße). Geblieben aber ist bei vielen der Wunsch nach einem Wagen, der mehr ist als nur ein fahrbarer Untersatz, der ungeheuer flink ist und trotzdem sicher, der keine Spitzensummen verschlingt, weder in der Anschaffung, noch in den Betriebskosten, und der doch große Leistungen erbringt; ein Auto vor allem, das nicht jeder fährt und das – in einem Zeitalter und in einer Gesellschaft, wo der soziale Status abhängig ist von der Leistung in der Arbeitswelt und dem daraus resultierenden Besitz – den Zutritt zur Gemeinde der Individualisten mit erheblichem Prestigegewinn verschafft.

Um den Familienvater, der gern ein sportliches Fahrzeug besäße, seiner Frau aber die Notwendigkeit, einen Sportwagen anzuschaffen, nicht plausibel machen kann, um diesen Familienvater haben sich die Bayerischen Motorenwerke verdient gemacht, als sie die "psychologische Marktlücke" mit der "touring"-Version von drei aus dem "Kleinen" weiterentwickelten Modellen ausfüllten und die neuen als "familiengerechte Autos" propagierten.

Ein "touring"-Modell – 1. Vorteil – ist eine morganatische Ehe zwischen einer sportlichen Limousine und einem Kleintransporter. Aus dem zweitürigen Fünfsitzer mit "Stufenheck" (1600, 2002) wurde ein dreitüriger Viersitzer mit "Schräg"- oder "Fließheck" (auf sportlich heißt das "fastback"") und Hintertür. Das gab dem Wagen ein schnittiges Profil, läßt ihn aerodynamisch günstiger wirken, man ahnt Kraft und Schnelligkeit, und durch die Hintertür können Hunde und Leitern, Campingsessel und Weihnachtsbäume, Marktkörbe oder für die Heimwerkelei benötigte, Scheuerleisten bequem eingeladen werden.