Johann Jacob Christoffel von Grimmelshausen, lachender Richter seiner Zeit

Von Sybille Penkert

Unter dem Pseudonym Samuel Greifnson von Hirschfeld kannten ihn seine Zeitgenossen. Noch Lessing, Goethe und Tieck lasen Grimmelshausens "Simplicissimus" in spätbarock-überladenen oder aufklärerisch-betulichen Fassungen des frühen achtzehnten Jahrhunderts, die so wenig wie das Verfasserpseudonym der Wahrheit entsprachen.

Angesichts der wechselhaften Abenteuer jenes seltsamen Vaganten aus dem Dreißigjährigen Krieg ergötzte man sich ahnungslos am Namen-Vexierspiel des Erzählers der ersten fünf Bücher, 1669 "an Tag geben von German Schleif heim von Sulsfort". Denn erst am Schluß der vielumstrittenen ersten "Continuatio" des Romans wurde die Maske jenes Samuel Greifnson von Hirschfeld gelüftet.

Und auch dieser "Wahn betreügt", wie alle Pseudonyme der Grimmelshausen-Schriften. Es sind Anagramme aus dem echten Autornamen Johann Jacob Christoffel von Grimmelshausen. Unter ihrer Maske hat er, trotz möglicher Identifizierung durch seine höfischen Romane und ein Widmungsgedicht, mehr als hundertfünfzig Jahre alle Leser an der Nase herumgeführt.

Erst nach der Wiederentdeckung des "Simplicissimus" in der Romantik und der Dechiffrierung durch Kurz und Echtermeyer, Mitte des neunzehnten Jahrhunderts, begann eine bewußtere Rezeptionsgeschichte.

Aber auch sie fiel prompt auf die Maske herein, die Grimmelshausen sich im "Satyrischen Pilgram", dem Vorläufer des "Simplicissimus", wohlweislich vorhielt: Er habe "nichts studirt, gelernet noch erfahren: sondern so bald er kaum das Abc begriffen hatte / in Krieg kommen / im zehenjährigen Alter ein rotziger Musquedirer worden". Eichendorffs Warnung, man habe es nicht mit einem rohen Landsknecht zu tun, schlug man in den Wind. Man identifizierte den Autor mit seinem Helden.