Der Raiffeisenverband und der Deutsche Genossenschaftsverband (Schulze-Delitzsch) werden in den nächsten Wochen ihre Fusion vollziehen. In den letzten beiden Jahren wurden schon Regionalverbände und Einzelgenossenschaften weitgehend verschmolzen.

Wie groß wird das vereinigte Genossenschaftswesen sein?

Sonnemann: Die Vereinigten Kreditgenossenschaften, die der Kern des neuen Gebildes sind, werden eine Bilanzsumme von etwa 110 Milliarden Mark und das größte deutsche Zweigstellen- und Filialnetz haben. Die Zahl dieser Genossenschaften soll sich weiter verringern. Aber wir legen großen Wert darauf, daß das Banknetz diese Verbreitung behält, die einen großen Vorsprung des Genossenschaftswesens zum Beispiel gegenüber den großen Privatbanken darstellt.

Wird es schließlich einen einheitlichen Namen vom Spitzenverband bis zur kleinsten Kreditgenossenschaft geben?

Sonnemann: Die Kreditgenossenschaftten auf der Ortsebene bleiben eigene Rechtspersönlichkeiten. Ob sie ihren Namen. ändern, bleibt dahingestellt. Aber die Namen der Spitzenverbände stehen fest. Die Dachorganisation wird heißen: Deutscher Genossenschafts- und Raiffeisenverband. Unter ihm gibt es drei wirtschaftlich, rechtlich und verwaltungsmäßig selbständige Verbände. Das ist einmal der Bundesverband der gewerblichen Warengenossenschaften, also die Einzelhandels-, Handwerks- und Dienstleistungsgenossenschaften aus dem bisherigen DGV; dann in der Mitte den Bundesverband der Volksbanken und Raiffeisenbanken und den Bundesverband der Raiffeisen warengenossenschaften. Diese Organisation wird dann einen fast lupenrein landwirtschaftlichen Charakter tragen, während jetzt in unseren Kreditgenossenschaften die Landwirtschaft auf unter 25 Prozent zurückgegangen ist.

Behindert es nicht die wirtschaftliche Entwicklung, wenn neben dem gemeinsamen Dachverband die bisherigen noch weiterbestehen?

Sonnemann: Nein. Die beiden Verbände – Raiffeisen und DGV – bleiben als Vermögensträger nur auf die Dauer von fünf Jahren bestehen. Für diese Zeit gibt es einen Kooperationsvertrag, der das Zusammenwachsen der uneinheitlichen Vermögensmassen, Liegenschaften, Pensionsverpflichtungen und so weiter ermöglichen soll. Aber die neue, nach fachlichen Gesichtspunkten dreigeteilte Organisation unter einem Dach soll ihre Tätigkeit zu Anfang des nächsten Jahres aufnehmen.