Steht der Büchermarkt vor dem Ruin?

Von Dieter E. Zimmer

Die landläufige Einstellung zum Bestseller ist etwa die: Bestseller sind Bücher, die sich besser verkaufen als andere. Meist sind sie nichts wert, aber es gibt Ausnahmen. Kennen immerhin sollte man sie schon, wenn man mitreden will. Und im übrigen hat es immer Bestseller gegeben, wird es sie immer geben, vorgestern "Im Westen nichts Neues", gestern die Knef, morgen... siehe die Transparente, die diese Woche Frankfurt schmücken.

Einiges jedoch scheint dafür zu sprechen, daß wir uns diese lässige, fatalistische Arroganz dem Phänomen Bestseller gegenüber länger nicht leisten können. Der Bestseller ist nicht mehr nur ein Makel an einem sonst wunderschön funktionierenden System. Er ist auch keine über unsere Kultur zur Strafe für allzuviel Ignoranz verhängte Plage. Er ist das hervorstechendste Symptom einer Krankheit, deren Ursachen benennbar sind und die im Begriff ist, die Grundlagen unserer traditionell vom Buch bestimmten Kultur zu zerstören.

Informationsverschmutzung

Der Brockhaus definiert den Bestseller als eine "Neuerscheinung, von der schnell hohe Auflagen verkauft werden" – relativ also. Und die Relation zwischen Bestseller und Nicht-Bestseller hat sich in den letzten Jahren verschoben und verschiebt sich weiter. Das Buchangebot polarisiert sich. Bestseller verkaufen sich nicht einfach etwas besser als "normale" Bücher, sie verkaufen sich um ein Vielfaches besser. Jener einigermaßen gesunde mittlere Bereich, in dem es keine großen Gewinne, aber auch keine großen Verluste gab, und der bis vor einiger Zeit noch das verläßliche Rückgrat des Buchwesens ausmachte, ist im Schrumpfen begriffen.

Immer krasser wird die Alternative: Bestseller (und damit für alle sehr hohe Gewinne) oder Nicht-Bestseller (und die möglichen Verluste dieser Klasse von Büchern bringen sie in Lebensgefahr). Das betrifft nicht nur Literatursparten, die es zur Zeit besonders schwer haben, Lyrik etwa; die Rede ist vielmehr von allen einem allgemeinen Publikum zugedachten Büchern, der sogenannten Schönen wie der Informations- und Diskussionsliteratur.