Die Umsätze auf den deutschen Aktienmärkten sind auf ein Minimum geschrumpft. Der Aktienhandel vollzieht sich ohne die private Bankenkundschaft, die anscheinend durch nichts mehr aus ihrer Reserve herauszulocken ist. Unter diesen Umständen wird der Berufshandel nervös. Nach den um die Monatswende vorgenommenen Meinungskäufen ist er wieder zu Gewinnmitnahmen übergegangen. Das ist nach Lage der Dinge nur zu sinkenden Kursen möglich. Am Montag dieser Woche verstärkte sich der Abgabedruck. Nach den Bremer Wahlen war die Stimmung in den Börsensälen eisig. Es wird befürchtet, daß der Kapitalauszug aus der Bundesrepublik neue Impulse erhalten hat.

Die "Durchhalteparolen" vieler Börsenbriefe sind indessen nicht ganz erfolglos. Auf der jetzigen Basis halten auch Großanleger einen Aktienverkauf nicht mehr für unbedingt sinnvoll. Sie warten auf die von vielen vorausgesagte Zwischenhausse im Zuge von Restriktionslockerungen. Danach werden wir weitersehen", heißt es in den Börsensälen. "Wer dann nicht verkauft, dem ist nicht zu helfen", lassen die Pessimisten verlauten.

Trotz der schlechten Stimmung ging der Veba-Bezugsrechthandel bisher recht reibungslos über die Bühne. In den ersten Tagen ist sowohl der Kurs der Veba-Aktie als auch das Veba-Bezugsrecht scharf zurückgenommen worden. Danach haben einerseits einige Großanleger auf weitere Verkäufe verzichtet, andere fanden die Veba-Aktie reizvoll und nahmen Bezugsrechte auf. Bei einem Bezugsrechtwert von 9,10 Mark kostete die junge Veba-Aktie 136,40 Mark. Sie wirft auf dieser Basis in den kommenden Jahren mit ziemlicher Sicherheit eine Barrendite von über 5 Prozent ab. Mit Spannung verfolgt man das Verhalten der Veba-"Volks"aktionäre, von denen sich ein großer Teil noch immer nicht entschlossen hat, ob von dem Bezugsrecht Gebrauch gemacht werden soll oder nicht. Am 21. Oktober, dem letzten Handelstag für das Bezugsrecht, müssen die Bezugsrechte aller jener Aktionäre veräußert werden, die auf das Bezugsangebot der Gesellschaft nicht geantwortet haben. Dann könnte es zu einem Kurssturz für das Bezugsrecht kommen, falls nicht das Bankenkonsortium vorsorgt. Bislang scheint es noch keine Mittel zur Kursstützung eingesetzt zu haben.

Die Kapitalerhöhung der Commerzbank ist durchgeführt. Hier kam dem Bezugsrechthandel die zeitweise feste Tendenz für Großbankaktien entgegen. Zu den Börsengerüchten, wonach ein Teil der Bezugsrechte in den Besitz der französischen Partnerbank, dem Crédit Lyonnais, gegangen ist, äußert sich die Commerzbank nicht. Erstaunlich stabil lagen in letzter Zeit die Aktien der Dresdner Bank. Nach den bisherigen Zwischenberichten wird dieses Institut mit höheren Gewinnen aufwarten können. Damit sind die Voraussetzungen für ein erfreuliches Jubiläumsgeschenk erfüllt. K. W.