Von Heinz Josef Herbort

Sie klingt ganz schön arrogant, die Mischung aus Selbstbewußtsein und feindosiertem Understatement: "Ich sehe nichts Besonderes in der Tatsache, daß ich im Alter von elf Jahren Künstler war. Ich hatte angeborenes Talent und Musik im Leibe, das ist alles." Und er klopft seinem Fleiß auch noch ganz hübsch auf die Schulter: "Mein persönliches Verdienst ist es nicht. Das einzige, dessen wir uns rühmen dürfen, ist ja nicht unser Talent, sondern was wir daraus machen."

Dann die väterlich mahnende Geste: "Darum dringe ich bei jungen Musikern auch immer darauf: ‚Bildet euch ja nichts ein auf euer Talent! Dafür könnt ihr nichts; nur was ihr daraus macht, zählt. Talent ist eine Gottesgabe, hütet sie in Ehren, anstatt sie in den Schmutz zu ziehen oder zu verschleudern. Arbeitet – arbeitet unermüdlich an diesem euren Talent.‘"

Schließlich aber so etwas wie eine Relativierung: "Natürlich ist die Gabe, die wir vor allem in Ehren halten müssen, das Leben selber. Unsere Arbeit sollte nichts anderes sein als eine Huldigung an das Leben."

Diese Huldigung spricht ein heute fast Finfundneunzigjähriger aus. Sie ist das künstlerische und menschliche Credo eines Cellisten, dem seit ungefähr fünfundsiebzig Jahren alle Superlative zugesprochen werden (bis zu dem "größten Cellisten aller Zeiten" in der Enzyklopädie "Musik in Geschichte und Gegenwart") und der jetzt einem amerikanischen Journalisten in Unterhaltungen das Material für

Pablo Casals: "Licht und Schatten auf einem langen Weg", Erinnerungen, aufgezeichnet von Albert E. Kahn, aus dem Englischen von Peter Baumann; S. Fischer Verlag, Frankfurt; 283 S., 57 Abb., 28,– DM

aufs Tonband sprach: "Kein Wort, das nicht von Casals selber stammte."