Eben Glücksfälle: Wenn sie aber ausbleiben, wenn also, eher durch Fügung als durch Kalkül, nicht alle Bedingungen eines Bestsellers zusammentreffen, gerät ein Buchverlag, der den enormen Einsatz an Werbegeldern durch entsprechenden Verkauf nicht mehr hereinholt, über Nacht in die Gefahrenzone. Die Bad-Seller in den Lagern sind dann sehr schnell weniger Wert als das Papier, auf dem sie gedruckt sind. Bei der Liquiditätslage der meisten Häuser ist so die ehedem systematische Programmarbeit zur windigen Pokerpartie verkommen.

So stolz die Auflagen- und Umsatzzahlen der rigoros "verkaufsfördernden" Verlage auch sein mögen, unterm Gewinnstrich bleibt allzu oft die rote Zahl. Jeder kann sich’s ausrechnen: Zehn Prozent vom Umsatz ergeben einen betriebswirtschaftlich vernünftigen Werbe- und "Promotion"-Etat. Bei einem 25-Mark-Buch erlöst der Verlag, nachdem mindestens 40 Prozent Buchhändlerrabatt abgegangen sind, rund 15 Mark. Wenn – was viel ist, sehr viel – 20 000 Stück verkauft sind, bleibt ein "Promotion"-Budget von rund 30 000 Mark übrig. Damit läßt sich allenfalls kleckern, klotzen nie.

Jetzt bleibt also abzuwarten, bis einer der überlauten Böllerschüsse nach hinten losgeht – was mit Sicherheit passiert, wenn einmal ein teurer Favoritentitel völlig durchfällt, wobei die übrigen Bücher eines Programms dann ohnehin zugunsten der Starnummer auf der Strecke geblieben sind. Und abzusehen ist auch der Zeitpunkt, wo das Lesepublikum von der "Promotion"-Kraftmeierei genauso angeödet wird wie der mit Reisen und Rosen überschüttete Buchhandel. Denn irgendwann merkt auch der Leser – den man für dumm verkauft, um zu verkaufen –, daß dieser ganze Rummel ja auch ihn etwas kostet.

Deshalb werde ich, obwohl ich mir keine "Love Story" gekauft habe, das deutliche Gefühl nicht los, die Rose vor meiner Wohnungstür bezahlt zu haben.