Trampelpfade und Staatsstraßen; die Straßen in Assyrien, in Griechenland, im Imperium Romanum; Heerstraßen und Handelsstraßen; die Seidenstraße, ein Kapitel für sich; die via strata, woher der Name stammt; die via caucida, mit Mörtel gebunden oder aus Kalkstein gemauert, die sich zur Chaussee mauserte; die Postkutschenroute und schließlich die Autobahn; und Schranken und Brücken und Überfall und Wanderslust, die kein Stolperstein aufhält; Straßen damals, Straßen für Vollgas – in Bild und Wort wird von ihnen erzählt in einem Bildband von Hans Hitzer: "Die Straße" (Verlag Georg D. W. Callwey, München; 348 S., 98,– DM).

Geschichte, Technik, Politik der Straße werden geschildert. Manchmal ein bißchen weit ab vom Weg, meistens exakt auf der Spur. Ein Zettel liegt bei: "Errata"; und dann fünf Berichtigungen, zum Beispiel "Bildunterschrift Abb. 143 statt Nesarina = Nasarina". Und das ist hier gar nicht ironisch erwähnt. Das Buch ist akkurat. Sein Autor hat dem Text einen ausführlichen Anmerkungsapparat und einen umfangreichen Literaturhinweisteil angehängt. Man hat die Historie der Straße in einem Band in der Hand, fast lückenlos; ein bißchen mehr Soziologie der Straße hätte sich aufdrängen müssen. Doch weil es ein ernsthaft kulturgeschichtliches, ein wenig auch kurioses, pfadfinderfreudiges, ADAC-würdiges Buch ist und zudem eine Fülle von Abbildungen, auch in Farbe, enthält, die man selten oder nie und jedenfalls nicht in solchem Kontext gesehen hat – deshalb ist der Prachtband unter Kennern seinen Preis schon wert.

Karl-Heinz Arndt