Was zu erwarten war, zeichnet sich jetzt immer stärker ab: Die Risiken der Kapitalanlage in Abschreibungsobjekten sind größer, als es sich die "Steuersparer" vorgestellt hatten. In den deutschen Seehafen sind die ersten sogenannten "Zahnarztschiffe" außer Fahrt gesetzt vorden; bei einigen Berliner Objekten hat es sich als notwendig erwiesen, neues Geld zuzuschießen. Wie es in der Charterfliegerei aussieht, ist ausführlich an anderer Stelle des Wirtschaftsteils zu studieren.

In früheren Gesprächen habe ich, meine verehrten Leser, Sie darauf aufmerksam gemacht, daß über den Wert der Abschreibungsobjekte nicht das Ausmaß der angebotenen Steuerersparnis entscheidet, sondern ausschließlich die spätere Rentabilität des Objektes. Und die Rechnungen, die in dieser Hinsicht von den Verkäufern der Abschreibungsobjekte aufgestellt worden sind, wiesen und weisen oftmals erhebliche Fehlerquellen auf.

Es führt zu weit, an dieser Stelle noch einmal die Konstruktion der Abschreibungsunternehmen in allen Einzelheiten zu erläutern. Dazu nur folgendes: Der Staat gewährt zur Förderung bestimmten Objekte (in Berlin, Zonenrandgebiet, in der Schiffahrt und Luftfahrt sowie in Entwicklungsländern) sogenannte Sonderabschreibunten. Um sie möglichst vielen "Kapitalisten" nutzbar zu machen, läßt man die Investitionen durch eine Kommanditgesellschaft in der Form der GmbH & Co. ausführen. Die Anleger können dann die aus den Sonderabschreibungen resultierenden Verluste mit Gewinnen aus anderen Tätigkeiten verrechnen. Der Witz der Angelegenheit besteht darin, daß nicht nur auf die eigene Einlage "abgeschrieben" wird, sondern auch auf die aufgenommenen erheblichen Fremdmittel. So konnte es zu Verlustzuweisungen bis zu 300 Prozent kommen. Die Folge: Der Anleger sparte gelegentlich mehr an Steuern, als er für die Anlage aufzuwenden hatte. Allerdings nur zunächst...

Den wenigen Anlegern ist nämlich klargeworden, daß sie bei den Abschreibungsobjekten ihre Steuerzahlungen nur auf einen späteren Zeitraum verschoben haben. Erinnern wir uns: Die hohen Sofortabschreibungen kamen zustande, weil hohe Fremdmittel aufgenommen worden sind. Sie müssen verzinst und getilgt werden. Die Tilgung kann nur aus Gewinnen geschehen, die vom Kommanditisten zu versteuern sind. Wenn die Rentabilität gering ist, reichen die Gewinne gerade, aus, um die Fremdmittel zu tilgen, der Kommanditist hat diese Tilgungen aus seinem Einkommen zu versteuern. Wenn die Rentabilitätsrechnung stimmt, und darauf sollte geachtet werden, müßte der Gewinn der Kommanditgesellschaft so hoch sein, daß der Kommanditist so viel ausgeschüttet erhält, daß er mit dieser Ausschüttung die auf seine Kommanditbeteiligung entfallenden Steuerlasten begleichen kann. Darauf in jedem Fall zu hoffen, ist aber purer Leichtsinn.

Wenn man davon ausgeht, daß durch Sonderabschreibungen nur eine Verschiebung der Steuerzahlungen auf spätere Jahre eintritt, so hat man zweierlei zu beachten: 1. Wie wird die persönliche Steuersituation dann sein, wenn die "Gewinne" aus den Abschreibungsobjekten zu versteuern sind? 2. Wie wird die allgemeine Steuergesetzgebung in dieser Zeit sein?

Eine Steuerverschiebung ist immer dann sinnvoll, wenn man weiß, daß die Einnahmen in den "kritischen Jahren" sinken werden. Entweder, weil dann die Pensionierung erfolgt ist, oder bei freien Berufen, weil die Arbeitsfähigkeit und damit der Verdienst geringer geworden ist.

Hinsichtlich der künftigen Steuergesetzgebung kann wohl kaum noch ein Zweifel bestehen. Auch bei der Einkommensteuer werden die Sätze. angehoben werden. Wir werden künftig also mehr an Steuern zu zahlen haben als bisher. Das gilt namentlich für die "Großverdiener". Schon aus diesem Grunde sind für viele die heute angebotenen Abschreibungsobjekte problematisch.