Stück des Dubliner "Abbey"-Theaters

Von Werner Dolph

Das Abbey, Irlands Nationaltheater, ist auf Tage hinaus ausverkauft. Amerikanische Reiseunternehmen haben en bloc gebucht, Iren sind unter den Zuschauern eine Minderheit. Gespielt, vom Iren John Millington Synge, wird "The Playboy of the Western World", auf deutsch "Ein wahrer Held", "Held der westlichen Welt" oder "Der, Gaukler von Mayo". Das Stück mit dem aktuell klingenden Titel ist bei uns vor allem durch das "Berliner Ensemble" bekanntgeworden. Die Brecht-Bühne hatte erkannt, was im Text an Zeit- und Sozialkritik steckt. Die "westliche Welt" ist die wilde, erbarmungslose karge Westküste Irlands.

Geschrieben hat Synge das Stück auf den Aran Islands. Den Rat, dort das ursprüngliche irische Leben zu suchen, hatte ihm Yeats in Paris gegeben. Synge war, wie viele irische Dichter der Jahrhundertwende, am Sozialismus interessiert; er fand im "Westen" nicht irische Romantik, sondern irisches Elend.

1907 wurde der "Playboy" im Abbey uraufgeführt. Dubliner Bürger nahmen Anstoß an der kunstvoll-rüden Sprache, zum Beispiel mißfiel, ihnen das Slangwort "umlegen"; einige Aufführungen wurden gestört. Aber sie hatten sprachlich begriffen, daß das Stück sie bedroht. 1912, bei einem Gastspiel des Abbey in den USA, fanden Philadelphia-Iren, das Stück sei eine. Beleidigung Irlands, und ließen die Compagnie wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses kurzerhand verhaften.

Synge war inzwischen, zwei Jahre nach der Uraufführung, 38 Jahre alt in Dublin gestorben. Sein Stück wurde derweil zu einem Erfolg. Immer, wenn die Truppe Geld einspielen mußte, setzte sie den "Playboy" aufs Programm. 1968 hatte es 250 Abbey-Aufführungen hinter sich, inzwischen dürften es an die dreihundert sein. Nur O’Casey und eine Schriftstellerin namens Lady Gregory (Stücktitel: "Mondaufgang") waren beim Abbey erfolgreicher.

Die ästhetische Qualität des Stücks liegt in seiner Kunstsprache aus "westlicher" Krudität und King’s English. Das Ergebnis ist ein direkt zupackender, poetisch schockierender Text. Er beschreibt einen sozialen Sachverhalt: Einer wird als Fremder, in gottverlassener Gegend von einem Dorf als "Held" gefeiert, wird von einem Mädchen geliebt für eine poetische Tat – er glaubt, den Vater erschlagen zu haben. Die Poesie seines Tuns kommt aus der Realität seiner sozialen Lage, und darin heißt Freiwerden und Heiratenkönnen das Erben des elterlichen Hofs, also den Tod der Eltern; ihre zu lange Existenz wirkt lebensvernichtend.