Das VW-Werk in Wolfsburg kommt aus dem Nervenkrieg nicht mehr heraus. Aus den USA kam in diesen Tagen die Hiobsbotschaft, der Käfer leide unter Absatzschwierigkeiten. Im Vergleich zum August schrumpfte der Verkauf neuer Wagen um 12 000 Einheiten. Während die US-Autohersteller einen Rekordzuwachs von 54,7 Prozent im Verkauf ihrer neuen Modelle aufweisen konnten, sackte der Anteil der europäischen und japanischen Importe von 15,6 auf 14,4 Prozent ab. Schuld daran scheint in erster Linie die von Präsident Nixon verkündete Zusatzsteuer von 6,5 Prozent für Importwagen zu sein, die im September zum erstenmal voll wirksam wurde.

Zwar erreichte VW im Vergleich zum September 1970 ebenfalls einen Absatzzuwachs von fast 30 Prozent, vergleicht man jedoch die ersten neun Monate 1971 mit dem gleichen Zeitraum im Vorjahr, dann schrumpft der Zuwachs auf ein Prozent zusammen. In der gleichen Zeit konnten die VW-Tochter Audi-NSU in den USA den Verkauf um 400 Prozent und der teure Porsche immerhin um ein Drittel steigern.

Die schwindende Preisdifferenz zwischen dem VW-Käfer und den neuen amerikanischen Kleinwagen nimmt dem Käfer viel von seiner Attraktivität. Die komfortableren US-Kleinwagen von Ford (Pinto) und Chevrolet (Vega) liegen mit einem Verbraucherpreis von knapp mehr als 2000 Dollar kaum über dem des Käfers, der zur Zeit bei 1978 Dollar liegt.

Einen nachhaltigen Einfluß könnte auch die psychologische Wirkung der Stabilitätsmaßnahmen der US-Regierung auf den VW-Absatz in den USA nehmen. Schon jetzt werben lokale Händler mit nationalen Argumenten: "Mit jedem Importwagen steigt bei uns die Arbeitslosigkeit." jfr