Die österreichischen Sozialisten haben am vergangenen Sonntag einen Rekord aufgestellt: Die SPÖ gewann bei den Nationalratswahlen die absolute. Mehrheit (93 Mandate) und mehr Stimmen, als je eine Partei bei demokratischen Wahlen in Österreich auf sich vereinigen konnte. Doch der Triumph gebührt nicht der Partei, sondern ihrem Vorsitzenden, Bundeskanzler Bruno Kreisky. Er war es, der das Unmögliche schaffte. Nicht mit den Erfolgen seiner Minderheitsregierung hat Kreisky den Wählern imponiert; sie waren ohnehin wenig spektakulär. Was die Österreicher honorierten, war vielmehr die Persönlichkeit des Staatsmannes mit dem väterlichen Habitus und vor allem die Tatsache, daß Kreisky die SPÖ zu einer echten Volkspartei gemacht hat.

Das war keine geringe Leistung. Mittelmaß und Engstirnigkeit der SPÖ haben die Wähler lange genug zögern lassen; der von manchen ihrer Mitglieder, propagierte Austro-Marxismus hat viele Österreicher immer wieder schockiert.

Für die ÖVP (80 Mandate) und die FPÖ (10 Sitze) ist das Wahlergebnis eine schwere Niederlage. Sie müssen nun mit ansehen, wie zum erstenmal in der österreichischen Nachkriegsgeschichte eine Partei freie Bahn zum Regieren hat. Für Bruno Kreisky bedeutet die neue Konstellation im Parlament die Chance, seine Ideen ungestört zu verwirklichen. An Modellen wird es dem Kanzler, der lange in Skandinavien im Exil lebte und dort politisch geformt wurde, nicht fehlen. D. B.