Neu in Museen und Galerien:

Berlin Vom 2. bis zum 6. November (Vorbesichtigung: 27. bis zum 30. Oktober), Galerie Gerda Bassenge: "Alte und Neue Kunst"

Keine spektakulären Objekte für den internationalen Handel, um so attraktiver ist das Angebot auf der Herbstauktion für den kleinen Sammler, für den Liebhaber alter Zeichnungen beispielsweise, der hier, sofern er nicht auf große Namen fixiert ist, eine Menge sehr reizvoller Entdeckungen vor allem bei den Italienern und Niederländern des 17. Jahrhunderts machen kann. Ein Kuriosum aus dem frühen 19. Jahrhundert und ziemlich rar auf dem Markt: Zeichnungen von Friedrich Wilhelm IV., der mit Schinkel befreundet war und als Kronprinz mit Begeisterung und Talent Sagen und Märchen illustrierte. Bei der Druckgraphik gibt es Blätter von Dürer, Bosch, Callot und, als teuerstes und seltenes Blatt, die "Große Alpenlandschaft" nach Pieter Breughel (Schätzpreis: 9000 Mark) sowie, ebenfalls nicht alltäglich, aber viel billiger, die Kupferstiche von Goudt nach Elsheimerbildern (zwischen 200 und 500 Mark). In der Abteilung 19. Jahrhundert: die Goethebüste von Schadow (3000 Mark), ein Aquarell von Schinkel, Federzeichnungen von Menzel, ein Stilleben des seltsam unterschätzten Carl Schuch. Das 20. Jahrhundert dominiert mit über 800 Katalognummern, hervorzuheben sind die Blätter aus den Bauhausmappen von 1921 bis 1923 und eine Arbeit von Dix, "Soldatenkopf mit Stahlhelm", den er im Krieg, vermutlich 1916, gemalt hat.

Köln Bis zum 4. November, Galerie Rudolf Zwirner: "Konrad Klapheck"

Auf dem Kölner Kunstmarkt war Klapheck hoch favorisiert, seine Bilder kosten bei Zwirner bis zu 60 000 Mark. Der Erfolg ist berechtigt, man freut sich, daß ein so guter deutscher Maler den Anschluß an die internationale Spitzenklasse gefunden hat. Zwirner zeigt, als Ergänzung zum Kunstmarkt, "Neue Bilder". Neue Bilder? Sie sind zwischen 1968 und 1971 gemalt, die neuesten sind die größten: "Triumph der Zerstörung" und "Glanz und Elend der Reformen", dargestellt mit den bekannten Klapheck-Requisiten. Nichts hat sich geändert, bis auf das Format. Klapheck ist bei seinen Maschinen geblieben, es hat den Anschein, als ob er für immer mit ihnen und von ihnen leben möchte, die ihn künstlerisch in die Höhe gebracht haben, seitdem er Mitte der 50er Jahre an die legendäre Schreibmaschine geriet, mit der Glanz und Elend seiner Arbeit den Anfang nahmen. Die neuen Maschinenbilder sind beileibe nicht schlechter, Klaphecks Hauptwaffen "Humor und Genauigkeit" sind nicht stumpfer geworden. Es macht immer noch Spaß, seine Maschinen zu dechiffrieren, die ihm die Welt, "die Rätsel der Welt und ihre Lösung" bedeuten. Bereits vor vielen Jahren hat er ausführlich und prägnant beschrieben, welchen Stellenwert die diversen Gebrauchsgegenstände, von den Schreib-, Näh- und Bohrmaschinen bis zu den Autoreifen, Planierraupen und Fahrradschellen in seinem Werk einnehmen, der Selbstkommentar ist heute so gültig wie eh und je. Das ist lustig und deprimierend, Glanz und Elend eines Malers, der mit seinem ersten Schritt schon über seine Zukunft entschieden hat, der unentwegt das Erwartungssoll erfüllt und Maschinen malt, bis auch das letzte Museum und die letzte Sammlung ihren Klapheck besitzen.

Gottfried Sello

Wichtige Ausstellungen: