Von Carl-Christian Kaiser

Bonn, im Oktober

Im Parteihauptquartier der Christlichen Demokraten in der Bonner Nassestraße herrscht Abschiedsstimmung: allen 150 Angehörigen der Zentrale, weil sie Ende dieses Monats aus dem Altbau in das großzügig bemessene neue Partei-Altbau mitten im Regierungsviertel umziehen werden – und bei einigen Mitarbeitern, weil sie nach dem Wechsel in der Parteispitze nicht länger bleiben wollen oder können.

Daß der bisherige Bundesgeschäftsführer Rüdiger Goeb seinen Abschied nehmen werde, war schon vor dem Saarbrücker Parteitag so gut wie sicher. Seine Vorstellungen von der Struktur der Führungsspitze hatten keinen Anklang gefunden. Möglicherweise wird sein Nachfolger bereits in der nächsten Woche feststehen. Wenngleich der neue Generalsekretär Konrad Kraske versichert, daß er noch keinen Kandidaten zur Hand habe, wäre denkbar, daß Goebs Stellvertreter Karl Heinz Bilke, bisher Leiter der politischen Abteilung, einen Stuhl weiterrückt – ein 36jähriger Volkswirt, der den großen Vorzug hat, dem Hause schon zehn Jahre anzugehören.

Gehen werden auch die beiden engsten Mitarbeiter des bisherigen Generalsekretärs Bruno Heck: sein persönlicher Referent Jürgen Todenhöfer, 31 Jahre alt, promovierter Jurist, der sich nun in Freiburg habilitieren möchte, und der 35jährige Ludolf Herrmann, der Hecks Büro leitete, ihm häufig als ghostwriter diente und bei vielen Gesprächen über den rechten Weg der Partei so etwas wie der intellektuelle Trainingspartner des Generalsekretärs war.

Willi Weiskirch hingegen, als Pressesprecher der Partei ebenfalls auf einem wichtigen Platz, wird wahrscheinlich bleiben. Wohlweislich hatte Rainer Barzel, als er zum Antrittsbesuch in die Nassestraße kam, seinen engsten und einflußreichsten Berater, den Presseprecher der CDU/CSU-Fraktion, Eduard Ackermann, nicht mitgebracht – wie er denn überhaupt betonte, daß er die Eigenständigkeit der Parteizentrale respektieren wolle. Indes, bei Ackermanns überragender Stellung kann Weiskirch das Geschäft künftig zumindest sauer werden.

Ohnehin steht die Belegschaft der Nassestraße dem neuen Spitzengespann Barzel–Kraske einstweilen abwartend gegenüber. Die erste Besprechung im Kreis der Abteilungsleiter verlief reserviert. So sehr der neue Parteivorsitzende und der neue Generalsekretär, wenn sie keine Ungeschicklichkeiten begehen, auf volle Loyalität rechnen können, so sehr gilt doch auch, daß das Haus weithin auf Heck eingeschworen war und noch ist.