Die Spekulationen über den chinesischen Parteichef Mai Tse-tung haben sich als haltlos erwiesen: Mao ist weder schwer krank, noch gar gestorben. Er empfing in der vergangenen Woche in Peking Kaiser Haile Selassie von Äthiopien, der zu einen: sechstägigen Besuch nach China gekommen war, und zeigte sich bei bester Gesundheit.

Während des Staatsbesuches von Haile Selassie vereinbarten beide Länder eine engere politische Zusammenarbeit, an deren Anfang ein langfristiger Kredit von umgerechnet 300 Millionen Mark steht, den Peking Äthiopien gewährt hat.

Die neuesten Gerüchte über Entwicklungen in China betreffen den Verteidigungsminister und designierten Nachfolger Mao Tse-tungs, Lin Piao. Nach einer Meldung der New York Times soll Lin Piao schwer an einer Lungentuberkulose leiden.

Henry Kissinger, der Berater des amerikanischen Präsidenten Nixon, wird möglicherweise noch in dieser Woche nach Peking reisen und dort Vorbereitungsgespräche für die Chinareise Nixons führen. Nach Angaben aus Washington soll Kissinger in Peking vor allem den genauen Termin des Nixon-Besuches sowie die Themen absprechen, die dabei diskutiert werden sollen.

Politische Beobachter in Washington weisen darauf hin, daß der von beiden Seiten gleichzeitig offiziell angekündigte Besuch Kissingers in zweifacher Hinsicht einen demonstrativen Charakter hat. Zum einen widerlege er die in letzter Zeit von verschiedenen Seiten vorgebrachte Behauptung, in Peking wolle eine starke Gruppe den Besuch Nixons verhindern; zum anderen sei mit Auswirkungen auf die gegenwärtige UN-Vollversammlung zu rechnen, in der die Aufnahme Pekings zur Debatte steht. Washington hat bei seinen Bemühungen, Taiwans Ausschluß zu verhindern und Pekings Eintritt zu ermöglichen, bisher wenig Bundesgenossen gefunden. Kissingers Reise zum Zeitpunkt der Chinadebatte kommt Peking gelegen: Sie zeigt, welche Bedeutung die Volksrepublik für die USA besitzt.