Von H. Bößenecker

In der "Old Munich Bar" in Münchens Komfortherberge Holiday Inn schimpfte am Sonntag nachmittag zur Kaffestunde die Frau eines angereisten Zahnarztes lauthals auf Deutschlands größte und feinste Bank: Diese habe ausdrücklich zugeraten, als Kommanditist bei der Chartergesellschaft Paninternational einzusteigen, und die beiden Geschäftsführer Dr. Tassilo Trommer und Jürgen Botzenhardt als "ausgezeichnete Fachleute" gelobt.

Die Gattin eines anderen Zahnarztes aus Westdeutschland machte für das Engagement bei der seit dem Hamburger Flugzeugunglück am 6. September in schwere Turbulenzen geratenen Firma die örtliche kassenärztliche Vereinigung verantwortlich, die ihrem Mann diesen "todsicheren" Tip gegeben habe.

Währenddessen ging im Saal nach mehr als fünfstündiger Diskussion bereits die Abstimmung über die Bühne. Die annähernd 600 zur Gesellschafterversammlung gekommenen Kommanditisten von insgesamt 1040, die rund 34 Millionen von 58,4 Millionen Mark Kommanditkapital gezeichnet haben, erklärten sich so gut wie einstimmig bereit, rund 20 Prozent ihrer Einlage nachzuschießen, um die schwer angeschlagene "Abschreibungsgesellschaft" wieder flottzumachen.

Die Zufuhr neuer Mittel ist eine der Voraussetzungen dafür, daß ein in der Nacht zuvor abgeschlossener Vertrag mit der amerikanischen Charterfluggesellschaft Emarald Airways Corp., Washington, realisiert werden kann. Die Amerikaner bieten an, die Bürgschaft für ein Darlehen über fünf Millionen Dollar auf die Dauer von sechs Jahren zu übernehmen; innerhalb weniger Tage wollen sie als Garantie bei einer Brokerfirma börsenfähige Aktien zum gleichen Wert hinterlegen.

Emarald, die auch in Luftfahrtkreisen wenig bekannt ist, verpflichtet sich ferner, wesentlich zur Auslastung der Paninternational-Flotte beizutragen: Monatlich sollen je BAC 1-11 (drei Maschinen) 100 Flugstunden und je Boeing 707 (zwei Flugzeuge) 120 Stunden abgenommen werden – auf Kostenbasis mit fünf Prozent Gewinnaufschlag. Allerdings muß die Paninternational um zehn Prozent unter den Preisen anderer namentlich aufgeführter Charterfirmen bleiben. Diese Vereinbarung soll jährlich 30 Millionen Mark Einnahmen bringen.