Der September war für die deutschen Investmentfonds ein schwieriger Monat. Sie litten unter dem langsamen Kursverfall der deutschen Aktien, unter der leichten Baisse-Bewegung in den USA und – soweit sie ausländische Papiere in ihren Portefeuilles hatten – auch noch an den Folgen der Mark-Aufwertung. Bei immer mehr Fonds treten in der Jahresbilanz 1971 "rote Zahlen" auf. Am schlechtesten wirtschaftete in diesem Jahr "Interspezial", dessen Anleger 1971 eine Einbuße von 4,5 Prozent hinzunehmen hatten. An der Spitze liegt noch immer der Spezialfonds Adiverba, wo eine Wertsteigerung von noch 15,2 Prozent zu verzeichnen ist. Als überdurchschnittlich erfolgreich können daneben der Unifonds (+ 11,8 Prozent) und Fondak (+ 10,9 Prozent) gelten. Der Unifonds zeichnete sich in letzter Zeit durch eine erfolgreiche Beweglichkeit aus, Fondak profitiert von seinen erstklassigen Aktien, die vor Jahren zu günstigen Preisen ins Portefeuille hereingenommen worden sind.

Zu Gewinnen kamen in den letzten Wochen die Rentenfonds. Sie gingen über den natürlichen Zinszuwachs hinaus. Die Rentenfonds wurden Nutznießer der festen Rentenkurse, eine Folge der sinkenden Zinsen. Wie die Dinge liegen, ist anzunehmen, daß auch die restlichen Monate dieses Jahres den Rentenfonds noch Kursgewinne bringen werden.

Es ist immer wieder interessant zu prüfen, ob die bei manchen Fonds überdurchschnittlich hohen Ausgabespesen durch eine entsprechend erfolgreiche Anlagepolitik gerechtfertigt werden. Wer die Ergebnisse des Jahres 1971 zu einem Vergleich heranzieht, wird zu dem Schluß kommen, daß eher das Gegenteil der Fall ist. Hohe Spesensätze – so könnte man sarkastisch sagen – garantieren auch höhere Verluste.

So verlangt der IOS-Fonds Investors Ausgabespesen von 9 Prozent; die Anleger verloren 1971 3,2 Prozent. Das ist – wie wir eingangs gesehen haben – noch nicht die Spitze. Sie wird von Interspezial mit einem Minus von 4,5 Prozent gebildet. Dieser Fonds rechnet mit 8,50 Prozent Ausgabespesen. Den gleichen Satz erhebt der Analytik Fonds, der jedoch "nur" einen Verlust von 3,8 Prozent erwirtschaftet hat. Etwas teurer, nämlich mit 8,75 Prozent Ausgabespesen, ist der Ivera Fonds, bei dem die Anleger einen Verlust von 1,9 Prozent zu beklagen haben. Eine rühmliche Ausnahme macht Interkapital (früher: Brauereifonds). Mit 7,40 Prozent sind die Ausgabespesen auch hier überdurchschnittlich hoch, aber es konnte immerhin ein Plus von 5 Prozent erreicht werden. Bisher profitierte Interkapital von seinen Aktien der internationalen Getränkeindustrie, hauptsächlich auch von der Hausse deutscher Brauerei-Aktien. Ob die Ausweitung der Anlagemöglichkeiten für die Fonds-Besitzer Vorteile bringen wird, ist noch nicht erkennbar.

K. W.