Der Nachwuchsmann, der heute nach langem Studium den Schritt ins Berufsleben wagt, gehört zu der Generation, die das Jahr 2000 entscheidend mitformen wird. Doch es ist zu bezweifeln, ob ein Hochschulabsolvent darauf hinreichend vorbereitet ist. In der Regel gelten die Zweifel sogar für den Berufseintritt selbst: Der frischgebackene Jungakademiker ist nur berufsfähig, aber noch nicht berufsfertig.

Besonders für Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler ist der Übergang von der Universität in die Praxis ein echtes Problem. Und diese heikle Etappe hat bei den Betroffenen – Jungakademikern wie Unternehmern – gleichermaßen zu Frustrationen geführt; denn die gegenseitigen Erwartungen werden oft nicht erfüllt.

Studenten sind auf den Berufsübergang vielfach nur durch Anzeigentexte, Broschüren, Betriebsbesichtigungen oder bestenfalls durch Ferienpraktika vorbereitet. Diese oft schwerwiegende Informationslücke versucht neuerdings Aiesec, die Internationale Vereinigung der Studenten der Wirtschaftswissenschaften, zu schließen. Bislang für die Vermittlung von Auslandspraktika bekannt, bietet Aiesec jetzt eine weitere Hilfestellung: die Kontaktgespräche.

Zu diesen Gesprächen erscheinen an den Hochschulen Vertreter von Unternehmen aus allen Branchen und Fachleute der Frankfurter Zentralstelle für Arbeitsvermittlung, die schon vielen Berufsanfängern die erste Stelle beschaffte. Erfahrene Praktiker diskutieren so mit den Studenten die Schwierigkeiten, die sie beim Übergang in die Berufspraxis erwarten.

Die Idee ist nicht neu. An amerikanischen und englischen Universitäten ist sogar das "campus recruiting", die Nachwuchswerbung in den Hochschulen, zur Institution geworden. Dagegen stößt in der Bundesrepublik allein der Versuch, den Arbeitsmarkt durchsichtiger zu machen, nicht überall auf Gegenliebe. Doch die etwa 80 Kontaktveranstaltungen der Aiesec lockten 10 000 Studenten an. Sie informierten sich über Tatsachen, die sie früher erst beim Einstellungsgespräch erfuhren.

Dabei werden auch die Herren aus der Wirtschaft mit den kritischen Vorstellungen der Studenten konfrontiert. Fragen nach der Autoritätsstruktur, dem Führungsstil der Unternehmen oder der Häufigkeit von Streßsituationen sind fast schon an der Tagesordnung.

Bei solchen Kontakten zeigt sich auch, daß bei den Studenten Illusionen etwa über die Chancen bestehen, schnell ins Ausland zu kommen. Manch einer hat auch rechtzeitig die Vorstellung revidiert, er könne problemlos neben dem Beruf promovieren oder seine Karriere allein auf den speziellen Studienkenntnissen aufbauen.