Die Bundesrepublik Deutschland hat Chancen, vom kommenden Jahr an rund ein Fünftel ihres Rohölbedarfs aus eigenen Quellen zu beziehen. Im vergangenen Jahr waren es erst gut elf Prozent: 7,5 Millionen Tonnen aus der Förderung in der Bundesrepublik und 4,2 Millionen Tonnen aus der libyschen Konzessionsbeteiligung der Essener Gelsenberg AG.

Jetzt hat die Deminex – Deutsche Erdölversorgungsgesellschaft mbH – in Düsseldorf mit der British Petroleum Companie Ltd. in London einen Rahmenvertrag über eine 20prozentige Deminex-Beteiligung an der Konzession Nr. 19 im Arabischen Golf der Abu Dhabi Marines Areas Ltd. abgeschlossen. Diese Gesellschaft befindet sich zu 66 2/3 Prozent im Besitz der Londoner BP und zu einem Drittel bei der Compagnie Française des Pétroles.

Wenn sich die Partner über den Rahmenvertrag hinaus in Einzelheiten verständigen, über die gegenwärtig noch verhandelt wird, werden sich die Besitzverhältnisse an der Gesellschaft, die über das drittgrößte Erdölfeld der Welt verfügt, wie folgt aufteilen: BP 532/3 Prozent, die französische CFP 33 1/3 Prozent, Deminex 13 Prozent.

Mit Hilfe dieser Beteiligung wird die Deminex für die nächsten zehn Jahre jährlich mindestens zehn Millionen Tonnen Rohöl zur Verfügung haben, die sie an ihre Gesellschafter weitergeben wird. An dem Kapital der Deminex sind die Gelsenberg, die Veba-Chemie und die Wintershall mit je 18,5 Prozent beteiligt. Das RWE, das als Großaktionär von Gelsenberg bereits an der Deminex beteiligt ist, verfügt durch ihre 100prozentige Tochter UK Wesseling über weitere 13,5 Prozent des Deminex-Kapitals. Beteiligungen unter zehn Prozent haben die Saarbergwerke AG, die Deilmann AG, die Deutsche Schachtbau und Tiefbohr AG und die Preüssag.

Die Beteiligung an der Konzession vor dem Scheichtum Abu Dhabi würde schätzungsweise 150 bis 200 Millionen Dollar kosten. Da die Deminex aus Bundesmitteln jedoch nur 575 Millionen Mark zur Verfügung hat, ist die Finanzierung noch ungeklärt. Es erscheint nicht ausgeschlossen, daß entweder die Deminex sich die Mittel auf dem Anleihemarkt beschafft oder die Aktionäre zusätzliche Mittel aufbringen.

Unklar ist auch noch die Haltung des Scheichs von Abu Dhabi zu einer Veränderung der Konzessionäre. Die Scheichtümer der sieben Trucial States,, die am Jahresende die letzten Bindungen an die bisherige Schutzmacht Großbritanniens aufgeben, haben Ansprüche auf direkte Beteiligungen an den Erdölkonzessionen angemeldet. Ihre Forderung: 20 Prozent.

Angesichts des geringen Steueraufkommens in diesen Ländern – ihre Staatshaushalte werden in der Regel zu 90 Prozent aus den Erdölkonzessions-Einnahmen gespeist – wäre ein käuflicher Erwerb der Anteile an der bestehenden Gesellschaft kaum denkbar. Es sind Bestrebungen erkennbar, den Kaufpreis in Form von Rohöl aufzubringen. Bonn hofft nun, daß eine Beteiligung der Ölsaaten am Arabischen Golf nicht allein zu Lasten der deutschen Beteiligung geht.

mh