Von Christian-Friedrich Friehe und Bernd Preis

In der sogenannten Bundesliga-Bestechungsaffäre wird der aufgewirbelte Staub dichter und dichter, und weder Akteure noch Außenstehende können sich aus alten und neuen Beschuldigungen, Verdächtigungen, tatsächlichen oder angeblichen Zahlungen, Sieg- oder Verlustprämien ein klares Bild machen. Ohne Zweifel steht fest, daß Bundesligavereine, Spieler und der Deutsche Fußball-Bund (DFB) zwar diese Affäre überleben werden, "doch sie haben was abgekriegt". Die harten Strafen gegen die angeklagten Spieler und Canellas sowie einige seiner Schergen haben die Taktik des DFB nicht verdecken können, seine eigene Mitverantwortung herunterzuspielen. Der Versuch, sich selbst reinzuwaschen, hat sich als Mohrenwäsche erwiesen.

Die Urteilsschelte blieb aber nicht bei diesem Punkt stehen. Besonders hart gezaust wurden die Verhandlungsführung des Sportgerichts und die rechtlichen Voraussetzungen des Urteils selbst. Es erschien vielen Kritikern unerträglich, daß dem DFB eine Machtstellung eingeräumt ist, die es ihm erlaubt, derartig schwer in die berufliche und sportliche Stellung eines Spielers und damit unmittelbar auch in die Interessen seines Vereins einzugreifen. Hiergegen sind von den Journalisten ebenso wie von auf Publikumswirkung bedachten Bundestagsabgeordneten schwere Geschütze aufgefahren worden, wobei ihnen vor allem rechtsstaatliche Überlegungen Munition liefern sollten.

Die Materie ist schwierig. Die Bundesligavereine selbst sind im Rahmen der Satzung ihrem Dachverband, dem DFB, unterworfen. Die einzelnen Bundesligaspieler sind nicht Mitglieder des Vereins, für den sie spielen, da anderenfalls die Vereine den steuerrechtlich wichtigen Status der Gemeinnützigkeit verlören. Zwischen Verein und Spieler besteht also lediglich das Verhältnis Arbeitgeber zu Arbeitnehmer. Dies hätte zur Konsequenz, daß die Spieler weder der aus der Vereinszugehörigkeit ableitbaren Ordnungsgewalt der Regionalverbände noch der Ordnungsgewalt des DFB unterständen. Die Ahndung von sportlichen Vergehen kann aber nicht dem Verein als Arbeitgeber allein überlassen bleiben, da er in diesem Fall in einen ausweglosen Interessenkonflikt gestürzt würde. Als Träger dieser Ordnungsgewalt kommt allein der DFB in Frage.

Juristisch vollzieht sich die Übertragung der Ordnungsgewalt auf den DFB dadurch, daß jeder einzelne Spieler – also keine kollektive Vertretung der Spieler – mit dem DFB einen einheitlichen, sogenannten Lizenzvertrag abschließt. Der DFB vergibt die Lizenz als Bundesligaspieler an den Bewerber, dieser unterwirft sich der Ordnungsgewalt des DFB, indem er dessen Satzungen und Ordnungen anerkennt. Von Sanktionen bedroht sind danach einmal die im unmittelbaren Zusammenhang mit dem Spiel selbst begangenen Verstöße, die dem DFB zumeist von dem Schiedsrichter gemeldet werden. Schwere Verstöße gegen die Spielregeln, also etwa ein grob unsportliches Verhalten, können daraufhin vom DFB innerhalb eines bestimmten Strafrahmens geahndet werden. Neben dieser Einhaltung der eigentlichen Spielregeln ist der Bundesligaspieler durch § 1 Abs. 2 der Rechts- und Verfahrensordnung des DFB, auf die der Lizenzvertrag verweist, verpflichtet, sich auch außerhalb des Wettspiels nicht unsportlich zu verhalten.

Diese hier erneut auftauchende Leerformel des unsportlichen Verhaltens wird ausgefüllt von der Verhaltenserwartung, die der Kreis der am Fußballsport Beteiligten an den Spieler stellt. Verstößt der Spieler gegen diese Verhaltenserwartung, können Sanktionen verhängt werden.

Es liegt auf der Hand, daß jene Verhaltensnormen und ihre Sanktionen für den Berufsspieler gewichtiger sind als für den Amateur. Der Lizenzentzug kann mit einer lebenslänglichen Sperre des Amateurs nicht verglichen werden. Jene goldenen zehn bis fünfzehn Jahre, in denen der Fußballprofi als Spieler Spitzengagen wie ein Top-Manager verdienen kann, sind abrupt beendet, Möglichkeiten, die fußballerischen Fähigkeiten, anderweitig zu nutzen, bestehen nicht. Es wäre daher falsch, die Ordnungsgewalt des DFB nur als eine Art sportlicher Verbands- oder Vereinsgerichtsbarkeit zu betrachten. Sie greift vielmehr in die Berufssphäre der Berufsspieler ein.