Der Godesberger Industrielle Alexander Werth bot dem Bonner Sowjet-Botschafter Valentin Falin seine feudale Villa als Botschafterresidenz an. Den Sowjet-Menschen stört dabei überhaupt, nicht, daß Werth CDU-Mitglied und Kapitalist ist, ebensowenig wie Werth sich daran stößt, daß sein Grundbesitz in kommunistische Hände übergeht, sofern nur die Kasse stimmt. Der 62jährige Werth, Aufsichtsratsmitglied der Godesberger Kingsdorff-Werke, will sich ohnedies über kurz oder lang ganz in die Schweiz zurückziehen, wo Werth wie so viele Industriebosse bereits seinen zweiten Wohnsitz hat. Die Wohnungssorgen der sowjetischen, Vertreter in Bonn wären dann endlich beseitigt.

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Im Wirtschaftsministerium reagierte man unwirsch auf Pressemeldungen, wonach auf der Jahrestagung des Internationalen Währungsfonds in Washington „außer Spesen nichts gewesen“ sei. Wer in Washington dabeigewesen sei, der habe feststellen müssen, daß „sehr hart gearbeitet“ wurde. Für die Währungskonferenz der nächsten Zeit gebe es immerhin schon eine Tagesordnung, die es bis dahin nicht gegeben habe.

Fusionen bedeuteten in der Wirtschaft bisher stets die Zusammenfassung von mindestens zwei Unternehmen zu einem einzigen. Daß eine Fusion auch ein Zusammenschluß von zweien zu sechs bedeuten kann, werden Raiffeisenverband und Deutscher Genossenschaftsverband in Kürze vorexerzieren. Die bisherigen Verbände bleiben unter ihrem alten Namen bestehen und zwar als Verwalterinnen des jeweiligen Verbandsvermögens. Präsidenten bleiben Theodor Sonnemann (Raiffeisen) und Horst Baumann (Genossenschaftsverband). In dem zu gründenden Dachverband werden zwei Präsidenten (Sonnemann und Baumann) die Interessen beider Verbände gemeinsam repräsentieren. Überdies wird es drei Fachverbände geben (jeweils für die Ressorts Banken, gewerbliche Genossenschaften und ländliche Genossenschaften). Als Präsidenten fungieren in diesen Verbänden die Präsidenten Sonnemann und Baumann sowie voraussichtlich Erich Diederichs, derzeitiger Direktor der Edeka-Genossenschaft.

Wolf gang Hoffmann