Von Heinz D. Stuckmann

Die Rolle der Zeitung beschränkt sich... nicht allein auf die Verbreitung von Ideen, nicht allein auf die politische Erziehung und Gewinnung politischer Bundesgenossen. Die Zeitung ist nicht nur kollektiver Propagandist und Agitator, sondern auch ein kollektiver Organisator..."

Das schrieb ein Kommunist vor 52 Jahren. Er hieß Wladimir Iljitsch Lenin.

Ein deutscher Kommunist von 1971, Name unbekannt, sieht das Problem im Prinzip, genauso. Er doziert: "Jede Betriebszeitung muß dazu beitragen, daß der bei uns ja vorwiegend nicht kommunistisch denkende, ja nicht einmal kommunistisch orientierte Leser sich der Diskrepanz zwischen der Ideologie der herrschenden Klasse, die ja die BRD als eine Art Paradies für die Arbeiter darstellt, und der Realität bewußt wird." Und:

"Zugleich kommt es darauf an, die Erkenntnis zu vermitteln, daß es nicht nur um unmittelbare betriebliche Forderungen geht, sondern daß die Ursachen im kapitalistischen System der BRD liegen, daß eine endgültige Verbesserung der Lage der Arbeiter nur durch eine Veränderung der Gesellschaftsordnung erreicht werden kann. So muß der wissenschaftliche Sozialismus heute vermittelt werden..."

Im Sitzungssaal des DKP-Bezirks Ruhr-Westfalen in der Essener Hoffnungsstraße sitzen 59 Männer und Frauen und schreiben eifrig mit. Sie sind Teilnehmer an einer Wochenendschulung für Betriebszeitungsredakteure – im Parteijargon "Beratung" genannt – des stärksten und wahrscheinlich auch aktivsten Bezirks der "Deutschen Kommunistischen Partei".

Im Saal doziert der Genosse: "In jeder Betriebszeitung muß sich die konkrete Wirklichkeit widerspiegeln, wie sie der Arbeiter an seinem Arbeitsplatz vorfindet. Dazu bietet sich in jedem Betrieb eine große und bunte Palette von scheinbar banalsten bis hin zu gewichtigen Ereignissen an. Scheinbar banal – das brauche ich hier eigentlich nicht zu erläutern: Über fehlende Klodeckel in den Arbeitertoiletten auf meinem Pütt ärgern sich die Kumpels jeden Tag."