Werden die Manager der Aktiengesellschaften ausreichend überwacht? Sind die gewählten Kontrolleure ihrer Aufgabe gewachsen?

Seit der gerade noch verhinderten Pleite der bis dahin renommierten Maschinenfabrik Weingarten AG in Württemberg herrscht in vielen Aufsichtsräten eine, ungewohnte Aktivität. Niemand möchte ähnlich, unangenehm überrascht werden wie die

Weingarten-Aufsichtsratsmitglieder, denen lange Zeit nicht bewußt geworden war, daß ihr Unternehmen am Rande des Abgrundes stand.

Was war bei Weingarten geschehen? Ohne daß es der Aufsichtsrat gemerkt hatte, war die Gesellschaft, plötzlich in eine ernste Krise, geraten. Nur durch Anlehnung an einen stärkeren Partner konnte Weingarten gerettet werden.

Aufgedeckt wurden die Schwierigkeiten erst durch ein neues Vorstandsmitglied. Der neue Mann erkannte die in der ungewöhnlich langen Laufzeit der Aufträge Tier genden Risiken richtig und unterrichtete den Aufsichtsrat über die zu erwartenden Verluste.

Angeblich fielen die Aufsichtsratsmitglieder aus allen Wolken. Sie hatten den "altbewährten" Vorstandsmitgliedern vertraut. Sie hatten eine wesentliche Besserung für das Geschäftsjahr. 1970 vorausgesagt, nachdem 1969 eine fühlbare Verschlechterung der Ertragslage eingetreten war.

Wie war die Misere entstanden? Es waren Aufträge zu Preisen hereingenommen worden, die nach der Lohn- und Kostenexplosion nur noch unter erheblichen Verlusten abgewickelt werden konnten. Der Vorstand hatte diese Schwierigkeiten dem Aufsichtsrat verschwiegen. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft hatte nicht erkannt, daß die Rückstellungen nicht ausreichten. Der Aufsichtsrat hatte es offensichtlich versäumt, sich eigene Gedanken über den Geschäftsverlauf zu machen. Er hatte schlicht darauf vertraut, daß der Vorstand, mit dem ihm eine jahrzehntelange gute Zusammenarbeit verband, "es schon schaffen werde".