Auf die feierliche Siegerehrung wird ebensowenig verzichtet wie auf Medaillen: Deutschlands Manager sind zum edlen Wettstreit aufgerufen. Das große Spiel der Wirtschaftsbosse und Verwaltungsspezialisten, bei dem 243 Teams um den Einzug ins Finale kämpfen, heißt Sigam-V-Plus. Hinter diesem geheimnisvollen Namen versteckt sich das umfangreichste und längste Unternehmensspiel, das bisher in der Bundesrepublik ausgetragen wurde.

Planspiele sollen den Unternehmern die Möglichkeit geben, schwierige betriebliche Entscheidungen spielerisch, zu trainieren. Entscheidend sind also nicht theoretische Fragestellungen, sondern die Lösung von Aufgaben, die der Wirklichkeit des unternehmerischen Alltags entsprechen. Gerade diese Voraussetzung soll das erste Planspiel auf Bundesebene besonders gut erfüllen.

Veranstalter des acht Monate dauernden Entscheidungsmarathons sind die Zeitschrift PLUS und das Kölner Universitätsseminar der Wirtschaft (USW). Mit einem "Aufruf" an arrivierte Manager und clevere Nachwuchsleute führen sie gewaltig die Werbetrommel. Bis zu sechs Spieler können sich zu einem Team zusammenschließen. Doch auch mutige Einzelkämpfer werden zur Unternehmer-Olympiade am Schreibtisch eingeladen. Teilnehmergebühr: 330 Mark pro Team.

Auch worauf es ankommt, verraten die Organisatoren: Vielfältige Sachentscheidungen sind ebenso gefragt wie planerisches Denken, Loslösung von Ressort-Egoismus und sachkundiger Einsatz des Rechnungswesens bei der Unternehmensführung.

Anfang November fällt der Startschuß zum Kampf über fünf Runden. Und im Juni 1972 wird sich zeigen, welche Managementmannschaft oder welcher "Einzelunternehmer" seine beiden Produkte am günstigsten produziert und am besten verkauft hat. Jedes Team tritt gegen zwei Konkurrenten auf vier verschiedenen Märkten an. Alle Konkurrenten haben die gleiche Ausgangssituation und verkaufen die gleichen Erzeugnisse.

Die unbestechliche Jury besteht aus der elektronischen Rechenanlage des USW. Sie liefert detaillierte Auswertungen und präzise Rechnungsabschlüsse. Nach jeder Runde erhalten Sieger und Verlierer einen Bericht über die Geschäftsentwicklung ihres "Unternehmens". Jeweils der beste der drei Konkurrenten kommt eine Runde weiter.

Was in der Bundesrepublik neu ist, gehört in den USA längst nicht mehr zu den Raritäten der Managerausbildung und -Weiterbildung. Auch in Europa wurden ähnliche Planspiele bereits mit Erfolg durchexerziert. So zeigten die dänischen Unternehmer großes Interesse. Und in Großbritannien, wo die "Financial Times" erstmals ein nationales Unternehmensspiel organisierte, waren bereits wenige Tage nach der Ankündigung des Wettkampfs alle Startblöcke besetzt. smi