Die Herren gingen schon nach gut drei Stunden auseinander. In frostiger Atmosphäre hatten sie sich lediglich die – ohnehin schon bekannten – gegenseitigen Standpunkte dargelegt: Letzte Woche wurde in Stuttgart die erste Verhandlung in der neuen Metall-Tarifrunde – wie erwartet – ohne Ergebnis beendet. Die diesjährige Tarifrunde, so hatte Metallchef Otto Brenner vor dem 10. Ordentlichen Gewerkschaftstag der IG Metall signalisiert, könnte die härtesten Tarifverhandlungen bringen, "die wir je erlebt haben".

Herbert van Hüllen vom Verband der metallindustriellen Arbeitgeberverbände (Gesamtmetall) wollte "in den Tarifverhandlungen bei Null anfangen". Der Abschluß in der chemischen Industrie, der Lohn- und Gehaltserhöhungen von sieben Prozent gebracht halte, sei für die IG Metall kein "Modell", steckte dagegen Metall-Tarifexperte Hans Mayr die Gegenposition ab.

Mit Forderungen von "nackten" elf Prozent ging denn auch die IG Metall in die erste Runde in Stuttgart. Neun bis elf Prozent sowie unterschiedliche Nebenforderungen, wie 13. Monatseinkommen, Ausbildungsvergütungen und Anhebung unterer Lohn- und Gehaltsgruppen, wurden diese Woche für Nordrhein-Westfalen, Hamburg, Hessen, Berlin und Schleswig-Holstein auf den Verhandlungstisch gelegt.

Konsequent zeigten sich auch die Metallarbeitgeber: Bei der ersten Runde in Stuttgart äußerten sie den festen Entschluß, "in der Lohnpolitik den von Bundesregierung und Bundesbank geforderten Beitrag zur Wiedergewinnung der Geldwertstabilität und zur Sicherung der Arbeitsplätze zu leisten". Ein Angebot allerdings machten sie nicht.

Sicher ist: Der Ausgang der Metallrunde wird den weiteren konjunkturellen Weg der Bundesrepublik wesentlich beeinflussen. So sind mit 4,3 Millionen Beschäftigten in der Metallindustrie immerhin knapp 20 Prozent aller Arbeitnehmer in der Bundesrepublik betroffen. Und "jedes Prozent mehr Lohn und Gehalt", so rechnet Gesamtmetall vor, "kostet die Unternehmen der Metallindustrie über 800 Millionen Mark jährlich". Die Geschäftslage der insgesamt 17 000 Betriebe aber habe sich in diesem Jahr "deutlich verschlechtert". Auftragseingänge und -bestände seien rückläufig. Einbrüche bei den Erträgen und eine "Gefährdung der Arbeitsplätze" (Verein Deutscher Maschinenbauanstalten) seien zu erwarten,

"Merkmale der konjunkturellen Beruhigung" entdeckte auch die IG Metall, zugleich aber hohe Preissteigerungsraten, "die den realen Lebensstandard der Arbeitnehmer zunehmend beeinträchtigen", Und langfristig "tendiert die Pro-Kopf-Lohnquote nach unten, die Pro-Kopf-Gewinnquote nach oben". gf