Die Sozialistische Partei Österreichs wird ohne Koalitionspartner regieren und die Mitglieder der bisherigen Minderheitenregierung Kreisky in ihren Ämtern bestätigen. Bis zum Dienstag, als Bundeskanzler Kreisky diesen Beschluß des SPÖ-Vorstandes bekanntgab, war noch auf eine Koalition von SPÖ und FPÖ spekuliert worden. Die endgültige Sitzverteilung war bis zum allerletzten Moment offen gewesen und stand erst nach Auszählung aller Wahlkarten (Briefwahlen) fest. Hochrechnungen hatten der SPÖ nur 92 Mandate gegeben; da sie als stärkste Partei den nicht stimmberechtigten Parlamentspräsidenten stellen muß, hätten Opposition und Regierung über je 91 Abgeordnete verfügt. Im Wiener Parlament gelten aber Aufträge bei Stimmengleichheit als abgelehnt.

Kreisky hat also das Ziel der vorzeitigen Auflösung, nämlich klare Mehrheitsverhältnisse, erreicht. ÖVP und FPÖ mußten in allen neun Bundesländern Stimmen an die SPÖ abgeben nur in Wien gewann die FPÖ dazu –, aber die Wahlrechtsreform begünstigte gerade die kleineren Parteien. So hat die FPÖ nun mit zehn Mandaten das politisch wichtige Antragsrecht.

Mit mehr als 50 Prozent hat die SPÖ den größten Wahlsieg einer Partei in der Geschichte der österreichischen Republik errungen.