Reformwütige Pädagogen und psychologisch vorbelastete Erzieher werden bei ihrer Forderung nach einer antiautoritären Schule, die nach den neuesten Erkenntnissen der Psychologie und Pädagogik arbeitet, die Tatsache nicht leugnen können, daß der effektive Vokabel- und Formelschatz des Absolventen herkömmlicher Schulausbildung in der Regel größer ist, als das bei einem Schüler der antiautoritären Schule der Fall sein dürfte.

Diese Tatsache – man mag sie für positiv oder negativ halten – könnte sicherlich durch Untersuchungen des Wissensstandes bei Schülern beider Erziehungsrichtungen nachgewiesen weiden.

Jene Forderungen nach einer Schulausbildung ohne Zensurenzwang und Prüfungsdruck lassen nur zu oft außer acht, daß bei dem ständigen Kampf des Schülers gegen den eigenen "inneren Schweinehund" der Schüler den Erfahrungen nach doch der Verlierer sein wird.

Ich wage die Behauptung, daß die Schule der Zukunft ohne jenen so verpönten Leistungs- und Prüfungszwang das ohnehin schon niedrige Bildungsniveau der herkömmlichen Schule nicht erreichen kann, ja daß sie ein gewisses Bildungsminimum wohl nicht überschreiten wird. Die Gründe hierfür liegen meiner Meinung, nach in der Unfähigkeit des jungen Menschen, gewisse Notwendigkeiten zu erkennen, anzuerkennen und die daraus folgenden Konsequenzen zu ziehen.

Die Schule alter Form hat diese Unfähigkeit des jungen Menschen durch den ihr eigenen Lernzwang zum größten Teil ausgleichen können. Das Ergebnis dieses jahrhundertelangen Zwanges war der mit Vokabeln und Formeln "vollgestopfte" Schüler, der zwar oft nicht recht wußte, was er mit seinem so mühselig erlernten Wissen anfangen sollte, der dieses Wissen aber immerhin besaß. Ohne Zweifel war der Preis für dieses Wissen hoch. Aber der Preis der antiautoritären Schule könnte noch höher sein, denn der Absolvent wird neben der Unfähigkeit zur Wissensanwendung selbst dieses Wissen nicht einmal besitzen

Die Konsequenz meiner Theorie wäre die Forderung nach autoritärer Schulausbildung, da diese ja im Gegensatz zur antiautoritären Schule immerhin noch einen gewissen Lernerfolg aufzuweisen hätte.

Ich bin mir bewußt, daß meine Gedanken ohne Zweifel einer wissenschaftlichen Grundlage entbehren, aber wer die so oft zitierte jung: Generation ein wenig kennt, der wird mir zumindest nicht ganz unrecht geben.

Wenn es in Zukunft nicht gelingen wird, junge Menschen aus ihrer Unfähigkeit zur Erkenntis lebenswichtiger Notwendigkeiten und Daseinsforderungen zu befreien und wenn man ihnen gleichwohl ein antiautoritäres Spielfeld zur Verfügung stellt, dann wird die Schule der Zukunft eine Hochburg menschlicher Dummheis sein. Karl Koch, 20 Jahre