Von Michael Jungblut

Nicht nur der Kampf gegen die schleichende Inflation, auch die Berichterstattung von der Preisfront bereitet den Bonner Wirtschaftslenkern immer größere Schwierigkeiten. Zu beidem fäll: ihnen seit Monaten nichts Neues mehr ein:

In Heft sechs der Monatsberichte des Bundeswirtschaftsministeriums hieß es, daß es zu einer "durchgreifenden Änderung der unbefriedigenden Preissituation bisher nicht gekommen" sei,

"... blieb die Preissituation weiter unbefriedigend", klagen die Verfasser auch in Heft acht.

Und Befriedigung konnten sie auch im jüngsten Lagebericht nicht melden. Resignierend heißt es: "Insgesamt blieb... die Lage bei den Löhnen, besonders aber bei den Preisen, unbefriedigend. Die Preisentwicklung ließ noch immer keine nachhaltigen Anzeichen für eine Beruhigung erkennen."

Eher das Gegenteil ist der Fall. Denn mit 5,9 Prozent lagen die Verbraucherpreise im Bundesgebiet im Vergleich zum Vorjahr noch über dem Rekordergebnis vom August. Der Kaufkraftschwund der Mark nahm damit ein Tempo an, daß "stärker ist als jemals in den letzten zwanzig Jahren" (Deutsche Bundesbank).

Karl Schiller, dem heute von der Opposition die Hauptverantwortung für diese Entwicklung in die Schuhe geschoben wird, war vor vier Jahren noch fest davon überzeugt, daß er die Wirtschaft und speziell die Preise nach seinem Willen lenken könne. Vor deutschen Hausfrauen hatte er im November 1967 selbstbewußt erklärt: "Sie wissen, daß unsere Wirtschaftspolitik in eine mittelfristige Zielprojektion eingebettet ist. Hiernach werden ... ein Rückgang der jährlichen Preissteigerungsrate von jetzt 1,4 oder 1,5 Prozent bis 1971 auf ein Prozent angestrebt."