ZEIT: „Herr Zolling, kennen Sie Herrn Gehlen

Zolling: „Seit 1963. Ich habe mehrere längere Gespräche mit ihm geführt und stütze mein Urteil über ihn darüber hinaus auf Recherchen über den BND, mit denen ich seit über zehn Jahres beschäftigt bin, auch auf viele Kontakte mit Mitarbeitern und Angehörigen des BND.“

„Wie bewerten Sie Gehlens Rolle als Soldat und als Geheimdienstchef, überhaupt als Person der Zeitgeschichte ?“

„Mein Kollege Heinz Höhne und ich dürfen wohl in Anspruch nehmen, in unserem Buch ‚Pullach intern‘ die Leistungen Gehlens als Chef von ‚Fremde Heere Ost‘ und als Gründer der nach ihm benannten Organisation detailliert geschildert zu haben. Und ich meine, daß wir auch mit großer Deutlichkeit den Weitblick gewürdigt haben, den Gehlen nach Kriegsende bewies, als es um die Zukunft Westdeutschlands ging. Gellen hat Weichen gestellt, als von einer westdeutschen Außenpolitik ernstlich noch nicht die Rede sein konnte. Das muß jeder objektiv Denkende anerkennen.“

„Und worin hat Gehlen nun ihrer Ansicht nach versagt?“

„Gehlen hat es nicht verstanden, sich neuen Entwicklungen zu erschließen, sowohl nachrichtendienstlich als auch politisch. Er hat sich zu früh zum Denkmal seiner selbst gemacht und, was vielleicht noch fataler war, von Chargen seines Dienstes dazu machen lassen. Heute schickt er sich nun an, die Bundesregierung wegen ihrer Ostpolitik zu attackieren bis zu der Grenze, die das Beamtenrecht ihm zieht. Damit bleibt Gellen, was er immer gewesen ist: der große Verschweigen und, was selbst im BND viele nicht gemerkt haben, der große Schaumschläger.“

„Das ist: ein hartes Wort. Können Sie das an Hand seiner Memoiren belegen?“

„Da wäre zunächst das Stichwort Bormann

„Was spricht gegen die Version Gehlens von Sowjetagenten Bormann?“

„Darüber haben erfahrene Nachrichtendienstler nur den Kopf geschüttelt! Nach den Aussagen aller Offiziere und Parteifunktionäre, die das Führerhauptquartier genau kannten, ist diese Version unglaubwürdig. Bormann hätte einen Funker benötigt und mithin einen Mitwisser ins Vertrauen ziehen müssen. Im übrigen arbeitete die deutsche Funkabwehr hervorragend; einenillegalen Sender in der Umgebung des Führerhauptquartiers hätte sie über kurz oder lang geortet.“

„Aber Gehlen behauptet doch, er habe zwei zuverlässige Informationen gehabt, wonach Bormann bei der Besetzung Berlins durch die Rote Armee zu den Sowjets übergetreten und inzwischen in Rußland gestorben sei?“

„Gehlen hatte in seinen letzten Amtsjahren als BND-Chef eine fatale Neigung, unseriöse Meldungen aus der DDR als glaubwürdig anzuerkennen. Zu Gehlens Version hätte ich nur eine Gegenfrage: Seit wann wagt sich ein Top-Agent in den gegnerischen Kugelhagel, wenn er fest damit rechnen kann, daß ihn dieser Gegner bald als Freund in die Arme schließen wird? Bormann brauchte doch nur im Führerbunker auszuharren, bis seine vermeintlichen sowjetischen Freunde eintrafen und ihn in Sicherheit brachten.“

„Gehlen erzählt von seinen Kontakten zu den Männern des Aufstandes gegen Hitler von 20. Juli 1944 ...“

„... ja, ja, er meint, die Gestapo habe ihn ‚wohl einfach vergessen‘. Ich halte das, offen gesagt, für eine Impertinenz. Es ist mir unbegreiflich, wie ein Mann von der konspirativen Erfahrung Gehlens in allem Ernst schreiben kann, ein so perfekt durchorganisierter Geheimdienstapparat wie die Gestapo könnte einen vermuteten Regimegegner ‚einfach vergessen‘ – der zudem an einer so wichtigen Stelle des militärischen Apparats saß wie der Chef der Abteilung „Fremde Heere Ost’ im Oberkommando des Heeres. Natürlich war Gehlen keinNationalsozialist. Er war noch nicht einmal ein Mitläufer. Er war, was seiner Natur entsprach: ein unpolitischer Technokrat des Generalstabs, ein Fachmann von hohen Graden. Ein Mann des Widerstands dagegen war er nicht.“

„Dann wäre es also nicht so verwunderlich, er auch ehemalige Angehörige der SS im BND beschäftigt hat. Stimmt denn Gehlens Behauptung, es seien nur wenige gewesen?“

„Die Zahl der SS-Chargen im Gehlen-Dienst schwankte. Mal waren es 23, dann 25, schließlich 30 Prozent des gesamten Personalbestandes. Die SS-Mitarbeiter kamen aus allen Zweigen des Schwarzen Ordens: der Gestapo, dem Reichssicherheitshauptamt der SS, aber auch aus den Frontaufklärungskommandos der SS. Darunter waren durchaus hervorragende nachrichtendienstliche Fachkräfte, die zwar unter dem Oberarm ein Blutgruppenkennzeichen trugen, sich aber politisch saubergehalten hatten. Aber bei Gehlen schlüpften auch Gestalten unter, mit denen sich später Gerichte befassen mußten.“

„Was meint Gehlen, wenn er schreibt: ‚Aus Gründen, die nicht erörtert werden können, hatte der Dienst im Einvernehmen mit den amerikanischen Dienststellen einige frühere Angehörige der SS... für spezielle Auslandsaufgaben eingesetzt’?“

„In Nahost und in Südamerika vermuteten die Amerikaner hohe Nationalsozialisten wie etwa Martin Bormann. Sie glaubten, frühere SS-Chargen wären am besten geeignet, ihre alten Kameraden aufzustöbern. Wie wir heute wissen, wir das eine Fehlspekulation. Im übrigen setzte Gehlen die SS-Dienstgrade in erster Linie für die Inlandsaufklärung, also für die Bespitzelung von Westdeutschen, ein.“

„Eben das dementiert Gehlen aber energisch. Er bestreitet die Behauptung, die Sie in ‚Pullach intern‘ so breit ausschmücken, daß nämlich der BND ‚eine umfangreiche innenpolitische Aufklärung betrieben‘ habe.“

„Er hat! Und zwar nicht nur vor, wie Gehlen jetzt schreibt, sondern auch nach dem Aufbau des Bundesverfassungsschutzes. Es waren Spitzeldienste für Staatssekretär Globke, der damit Adenauer Munition zur Intrige und zum Kampf gegen den politischen Gegner in die Hand gab. Als Gustav Heinemann, vormals Adenauers Innenminister, die Gesamtdeutsche Volkspartei mitbegründete und führte, wurde er von der ‚Organisation Gehlen‘ observiert. In dieser Partei sah der militante Antikommunist Gehlen sofort ein ‚trojanisches Pferd‘ der Sowjetunion innerhalb der Bundesrepublik. In Pullach fanden die unsinnigstenAgentengerüchte über Heinemann Gehör, auch, daß Heinemann für seine Partei in der Wiener Sowjetbotschaft einen Koffer voll Geld in Empfang genommen habe, ein Gerücht, das, wie man hört, Gehlen erst in letzter Minute aus seinem Buchmanuskript wieder gestrichen hat.“

„Gehlen dementiert auch Ihre Behauptung, einen so integren Mann wie Erich Ollenhauer überwacht zu haben.“

„Er hat! Sogar der Neffe des SPD-Vorsitzenden geriet in die Dossiersammlung der Pullacher Observationstrupps. Übrigens hat Gehlen dem SPD-Vorsitzenden bei seinen offiziellen Besuchen jeweils nur das berichtet, was Adenauer und Globke der Opposition zur Kenntnis bringen wollten.“

„Gehlen wirft Ihnen vor, Sie hätten die Behauptungen über innerpolitische Spitzeldienste des BND von ‚östlicher Seite‘ übernommen.“

„Ich habe noch in keiner östlichen Veröffentlichung gelesen, daß beispielsweise Gehlens Stellvertreter Worgitzky den Sozialdemokraten Wehner als gefährlichsten Staatsfeind’ bezeichnet. Es stand auch in keiner östlichen Publikation, daß noch im Jahre 1963 der BND eine Sekretärin des bayerischen Landtagspräsidenten als Informantin akzeptierte. Schließlich vermisse ich in seinen Memoiren das Eingeständnis, daß die Organisation Gehlen’ bei Beginn des Koreakrieges durch ihre Außenstellen ‚schwarze Listen‘ über Zehntausende von Bundesbürgern anlegen ließ, die notfalls als Kommunisten oder kommunistisch angehauchte in Vorbeugehaft genommen werden sollten. Und ist es nicht etwa Inlandaufklärung, wenn ein Gehlen-Agent 1960 aus dem Heidelberger Dolmetscher-Institut melden konnte: ‚Die Sekretärin der Schule (Adenauers Dolmetscherin in Moskau) ist in ihrem Verhalten und ihren Reden nach eine hundertprozentige Kommunistin‘? “

„Standen auch Politiker der Union auf der Liste des BND?“

Franz Josef Strauß zum Beispiel.“

„Wie das?“

„Schon als Verteidigungsminister hatte Strauß einen ‚Schatten‘ vom BND, einen Offizier im persönlichen Stab. Ob Strauß über die Aktivitäten dieses V-Mannes heute unterrichtet ist, weiß ich nicht. Deshalb möchte ich seinen Namen nicht nennen. Aber dieser Offizier hatte vom BND den Auftrag, alles über Strauß nach München zu berichten. Im letzten Jahr erfuhr Strauß von einem Journalisten, daß der BND ihn, Strauß, auch mit der Ermordung des Münchner Arztes Dr. Praun (Fall Vera Brühne) in Verbindung gebracht und ermittelt habe, ob Strauß in die Waffengeschäfte Prauns verwickelt gewesen sei. Als Strauß von dieser Sache hörte, bat er Gehlens Nachfolger Wessel zu einem Gespräch. Wessel versicherte ihm später, der BND habe nie gegen ihn ermittelt. Das war falsch. Hernach erfuhr Strauß von Vertrauten, daß Wessel ihn nicht einmal angelogen habe; dem Präsidenten seien im ‚Dienst‘ vielmehr falsche Auskünfte gegeben worden. So etwas nennt man im BND: eine Chefanfrage ‚unterlaufen‘.“

„Gehlen wird nicht müde, sein gutes Verhältnis zu Bundeskanzler Adenauer zu betonen. Nur während der ‚Spiegel‘-Affäre habe sich Adenauers Einstellung ‚für einen kurzen Zeitraum kritisch und zweifelnd‘ verändert. Stimmt seine Darstellung zur ‚Spiegel‘-Affäre?“

„Die intime Allianz Gehlen–Adenauer ist damals nicht zeitweilig, sondern für immer zerbrochen. An dieser Stelle setzt wieder einmal das Erinnerungsvermögen Gehlens aus. Nicht er hat damals eine Untersuchung verlangt, sondern Adenauer ließ Gehlen und dessen Führungsmannschaft nach Bonn zitieren – seinen Stellvertreter Worgitzky, den BND-Verwaltungschef Wendland und den Verbindungsmann zur Presse, Winterstein, übrigens alles Männer, deren große Verdienste Gehlen heute verschweigt. Im Kanzleramt forderte Adenauer seinen Justizminister Stammberger auf: ‚Sie müssen den Herrn Gehlen verhaften.‘ Denn Gehlen habe, so Adenauer, die Vorbereitungen der Aktion gegen den ‚Spiegel‘ dem Oberst Wicht, also dem BND-Außenstellenleiter Nord, verraten. Sowohl Stammberger als auch der anwesende Bundesanwalt Kuhn lehnten Adenauers Verhaftungsbegehren als unbegründet ab. Kuhn übernahm es jedoch, Gehlen zu vernehmen.“

„Und wie verhielt sich Gehlen

„Er tat etwas, was ihm seine engsten Mitarbeiter bis heute noch nicht verziehen haben und was zugleich dem Bild widerspricht, das er heute entwirft. Gehlen gab Kuhn nämlich zu Protokoll, er könne nicht ausschließen, daß BND-Beamte im Außendienst auf eigene Faust gehandelt und mit dem ‚Spiegel‘ paktiert, das heißt, ihn gewarnt hätten.“

„Hat sich denn Gehlen später für die Freilassung und Rehabilitierung des Obersten Wicht eingesetzt?“

„Nicht im geringsten. Er hat Wicht, einen loyalen Mann dieses Dienstes und dieses Staates, fallen lassen wie eine heiße Kartoffel. Mitarbeiter der BND-Führung haben ihren Präsidenten beschworen, er müsse etwas für den inhaftierten Wicht tun, sich zumindest mit einer öffentlichen Ehrenerklärung vor seinen Mitarbeiter stellen. Gehlen lehnte ab. Statt seiner riskierten zwei Herren des BND ihre Position im ‚Dienst‘ für Wicht, der ja von Adenauer im Bundestag als ‚Landesverräter‘ bezeichnet worden war. Es ist wohl an der Zeit, zu erzählen, was bisher im BND streng geheim gehalten wird und mir auch bislang unbekannt war: Gehlens Vizepräsident Worgitzky, mit der Formulierungshilfe eines Herrn, der heute noch im BND tätig ist, veranlaßte eine Ehrenerklärung, die ein sozialdemokratischer Chefredakteur dann der Westfälischen Zeitung‘ zuspielte. Dort stand am 21. November 1961 zu lesen, Gehlen solle erklärt haben, ‚die Kontakte des Obersten Wicht zu bestimmten Redaktionen, darunter auch zur Spiegel-Redaktion, seien im Einverständnis und mit Billigung des Bundesnachrichtendienstes erfolgt‘. Wütend ließ Gehlen über das Kanzleramt dementieren.“

„Gehlen erwähnt ganz kurz ,Mißverständnisse‘ und Spannungen’, von denen nach Adenauer die wechselhaften Beziehungen‘ zwischen dem ‚Dienst‘ und der Bundesregierung ‚nicht immer frei‘ gewesen seien. Was meint er damit?“

„Adenauers Nachfolger Erhard besaß nicht den geringsten Sinn für die Arbeit des geheimen Nachrichtendienstes; Kiesinger fand ebenfalls kein rechtes Verhältnis zu Gehlen, obwohl er es war, der als Kanzler der Großen Koalition Gehlen beauftragte, die Kontakte des Sonderbotschafters Egon Bahr zu Kommunisten und zur SED observieren zu lassen. Bundeskanzler Brand schließlich hielt vom BND ohnehin nicht sonderlich viel. Brandt kann noch heute die Fehlprognose des BND über das Datum des Berliner Mauerbaus nicht vergessen. Seitdem galt der BND bei Brandt-Berater Bahr als eine ‚Zählmaschine für Militärtransporte‘ über die Weichsel, nicht aber als politische Entscheidungshilfe für die Regierung.“

„Der BND hat also 1961 den Bau der Mauer nicht rechtzeitig vorausgesagt

„Den Mauerbau hätte auch der beste Nachrichtendienst der Welt – der israelische – kaum ankündigen können. Da hat Gehlen recht, wenn er feststellt, daß die Mauer ja erst Tage nach dem 13. August gebaut worden ist. Daß Sperrmaßnahmen bevorstanden, hat der BND tatsächlich schon recht früh gemeldet; doch das ahnte damals jeder Journalist, der in jenen Tagen den Flüchtlingsstrom beobachtete. Aber das Ausmaß der Grenzsperre, den totalen Schnitt durch Berlin, hat der BND nicht erkannt. Im Gegenteil: Die BND-Leute fielen einem geschickten Ablenkungszug der DDR zum Opfer; krampfhaft und mit dem geschulten Auge der Militärs verfolgten sie die Sommermanöver des Warschauer Paktes in der DDR. Daß zur selben Zeit in einigen Pionierkasernen der ‚Volksarmee‘ Stacheldrahtrollen und auch Steinplatten in großen Mengen eingelagert wurden, entging den BND-Beobachtern.“

„Nun wendet Gehlen, sicher zu Recht, ein, daß der BND nicht den Tag X wissen konnte, da ihn nur ganz wenige Spitzenfunktionäre der SED kannten

„Gewiß, aber er hätte sich davor hüten müssen, die Politiker in Bonn und Berlin mit der Versicherung einzuschläfern, daß ‚besondere Vorkommnisse an diesem Wochenende in Berlin nicht zu erwarten‘ seien, wie er es noch am Freitag vor dem Sonntag des 13. August getan hat. Da gab es übrigens noch ein tragisches Nachspiel: Gehlen, stets um sein Prestige besorgt, fand auch diesmal, was er in solchen Fällen stets suchte – einen Sündenbock. Ein Herr in der Pullacher Zentrale, seinen Namen möchte ich nicht nennen, wurde von Gehlen für das Versagen in Berlin verantwortlich gemacht. Dieser BND-Beamte erlitt daraufhin einen Herzinfarkt.“

„Sie berichten in ‚Pullach intern‘, der BND habe 1965 bei der Niederwerfung eines Putsches in Indonesien mitgewirkt. Davon steht bei Gehlen nichts. Immerhin bejubelt Gehlen, daß die indonesische Armee 1965 die ‚Ausschaltung‘ der gesamten kommunistischen Partei im fernen Indonesien ‚mit Konsequenz und Härte verfolgte‘. Und er vermerkt, daß der BND ,in der glücklichen Lage (war), der Bundesregierung aus hervorragenden Quellen ebenso rechtzeitig und eingehend ... berichten zu können‘.“

„Nun, der BND war in diesem Falle besonders stark engagiert. Die CIA bat den BND um ‚Amtshilfe‘: Da die Amerikaner ohnehin im Ruche standen, sich in alles einzumischen, möge doch der BND der indonesischen Armee helfen. Den BND-Leuten kam ein Zufall zu Hilfe. Der Chef des indonesischen Armee-Geheimdienstes hielt sich damals in der Bundesrepublik (auf Einladung und Kosten des BND) zur Kur auf. Die Pullacher weckten den Gast am frühen Morgen, besorgten ihm Geld, Maschinenpistolen und Munition sowjetischen Ursprungs und Funkgeräte made in Russia. Von Waffen und Geräten wurden die Nummernschilder abgeschlagen, der Geheimdienstchef in ein Sonderflugzeug nach Indonesien gesetzt. Dort fand man dann später die sowjetischen Waffen und Funkgeräte, und die indonesische Armeeführung konnte damit die Beweise für eine langgeplante, vom Ausland unterstützte kommunistische Verschwörung vorweisen. Zwar betrauert Gehlen in seinem Buch zwei ‚bewährte Freunde Deutschlands‘, die in Indonesien ermordet worden seien. Von den Hunderttausenden, die dann von der Armee oder von aufgeputschten Volksmengen niedergemacht wurden, schweigt er.“

„Gehlen beklagt sich, daß ihm nach dem Tode Adenauers einzelne höhere Beamte‘ in Bonn – ‚nicht kundig der Notwendigkeiten des Dienstes‘ – ‚stets bürokratische Schwierigkeiten machten‘. Worauf spielt er hier an?“

„Damit bezieht sich Herr Gehlen wohl auf die 1967/68 von Staatssekretär Carstens angeordnete Untersuchung innerhalb des BND durch den früheren Staatssekretär Mercker, den AA-Ministerialdirektor Raab und den pensionierten Bundeswehrgeneral Zerbel. Was diese Kommission zutage förderte, hat Gehlen in seinen Memoiren verschwiegen. In dem Mercker-Bericht steht wörtlich über den BND: ‚Ein korruptes Unternehmen.‘“