Von Petra Kipphoff

Die eine plädiert für die Abschaffung der Ehe und widmet das Buch, in dem sie dieses Plädoyer vorbringt, ihrem Ehemann; die andere schildert, wie Frauen durch die Gesellschaft zu programmierten Häschen gemacht werden, und reiht sich im nächsten Moment in die Gruppe dieser Bedauernswerten ein, indem sie (ein Verhalten demonstrierend, das man gern typisch weiblich nennt) eine andere Frau spitz "einen weiblichen Irrtum meines Bekannten" nennt. Damit ist nichts gegen die Bücher dieser beiden Frauen gesagt, vielleicht aber ein Hinweis darauf gegeben, wie schwer es die Frauen haben, vor allem auch mit sich selber.

Die Bücher von

Kate Millett: "Sexus und Herrschaft" – Die Tyrannei des Mannes in unserer Gesellschaft, aus dem Amerikanischen von Ernestine Schlant; Kurt Desch Verlag, Stuttgart; 466 S., 28,– DM

und von

Germaine Green "Der weibliche Eunuch" – Aufruf zur Befreiung der Frau, aus dem Englischen von Marianne Dommermuth; S. Fischer Verlag, Frankfurt; 359 S., 24,– DM

sind fast gleichzeitig erschienen. Beiden geht der Ruf voraus, die Bibel der Emanzipation zu sein. Aber auch zwei so verschiedene Bibeln wie diese hier werden wohl noch nicht reichen, um dem benachteiligten Geschlecht zu Übereinstimmung mit sich selbst und Gerechtigkeit in der Welt zu verhelfen.