Die Eigentumsdiktatur auf dem Wohnungsmarkt ist tiefstes Vorgestern, in seinen kapitalistischen Wonneträumen ungestörtes 19. Jahrhundert. Was hier gebaut und vermietet wird, und zu welchen Preisen, und mit welcher Lieblosigkeit, das spiegelt in groteskem Trauerspiel die Störung im Verhältnis von Angebot und Nachfrage. Alexander Mitscherlich

Hochschul-Jazz

Nach Köln, an dessen Musikhochschule schon seit Jahren Jazz gelehrt wird, soll nun auch an der Staatlichen Hochschule für Musik und Theater in Hannover ein "Studio für Jazz" eingerichtet werden. Den Lehrauftrag erhielt der Münchener Musiker und Komponist Joe Viera, Leiter des Education Centers der Europäischen Jazzföderation. Es ist geplant, später weitere Dozenten zu bemühen. Wer an diesem Jazz-Studium interessiert ist, muß sich schriftlich anmelden; der Unterricht in Rhythmik, Harmonik, Improvisation, Arrangement, Geschichte des Jazz und die Praxis des Zusammenspiels in Instrumentalgruppen finden jeden zweiten Sonnabend statt. Kein Zweifel: Der Jazz, der Hemdsärmeligkeit überdrüssig und längst an Schlips und Kragen gewöhnt, bindet die Krawatte fester.

Fritz Husmann 75 Jahre alt

Fritz Husmann, in erster Linie Graphiker, aber auch Maler und Bildhauer, gehört zu jenen Künstlern, die sich das Leben nicht leicht machen, die sich an zeitgenössische, geschweige denn modernistische Strömungen nicht anpassen, sondern ihren Stil und ihre Haltung bewahren. Der aus Bremen stammende, in Hamburg lebende Künstler, der am 15. Oktober 75 Jahre alt wird, war in den zwanziger Jahren Mitarbeiter des Architekten und Städteplaners Fritz Schumacher auf dem Gebiet der Farbgestaltung. Seit den dreißiger Jahren war Husmann auch Pressezeichner: Er machte Zeichnungen, in denen Szenen auf dem Theater nicht pedantisch "abgezeichnet", sondern formelhaft charakterisiert wurden, und er schuf, mit hohem Verständnis für Bewegungen begabt, nicht naturalistische Tanzzeichnungen, sondern höchst lebendige Entsprechungen im graphischen Material, die am schönsten waren, wenn sie zu Bewegungsstenogrammen reduziert waren. Die "Theatersammlung" der Hamburger Universität besitzt 600 Bühnenzeichnungen, die Hamburger Kunsthalle mehrere graphische Zyklen, unter anderen den Zyklus "Aus Tagen der Not". Husmann ist auch als Illustrator (so auch für DIE ZEIT) hervorgetreten. 1956 erhielt er den Edwin-Scharff-Preis der Hansestadt Hamburg.

Bedauerlich

Durch ein bedauerliches Versehen bei der Reproduktion wurde unserer Notiz zum fünfundneunzigsten Geburtstag der katholischen Schriftstellerin Gertrud von Le Fort in der vergangenen Woche ein falsches Porträtphoto beigegeben. Es zeigte nicht Gertrud von Le Fort, sondern Ina Seidel.