Present at the Creation – bei der Schöpfung zugegen, so lautet der Titel von Dean Achesons brillanten Erinnerungen, die vor zwei Jahren herauskamen. Er, der von 1949–1953 Trumans Außenminister gewesen ist, war nicht nur zugegen bei der Erschaffung unserer heutigen Welt, er war einer ihrer wichtigsten Architekten: Die Truman-Doktrin, mit der Amerika zum erstenmal in Friedenszeiten in Europa Verantwortung übernahm, die Vorarbeiten für den Marshall-Plan, der Atlantik-Pakt – das alles war sein Werk. Unter seiner Ägide wurde die Blockade Berlins gebrochen, der Korea-Krieg geführt, der Frieden mit Japan geschlossen.

Es war Dean Acheson mit seinem ungebrochenen Verhältnis zur Macht, der die Schleier jener illusionären Vorstellung zerriß, die die Amerikaner nach dem Ende der Hitler-Ära an die eine einige Welt hatte glauben lassen, die nun, da das Böse beseitigt sei, sich durchsetzen werde. Sein scharfer Blick für Realitäten und Möglichkeiten, Gefahren und Abgründe, sein Gefühl für die Urgründe der Geschichte, ließen containment und collective security zu seinem Glaubensbekenntnis werden.

Dean Acheson, ein grand monsieur, ein Diplomat von großem Talent, der nach Art der englischamerikanischen Oberschicht Politik oft boshaftwitzig und immer in den Facetten klassischer Bildung, Literatur und Geschichte spiegelte, von seinen Freunden bewundert, von seinen Feinden gehaßt, ist 78jährig auf seiner Farm Harewood in Maryland gestorben. Washington ohne Acheson? Man kann es sich nicht vorstellen. Dff.