Es dauerte mehrere Jahre, bis die Spanier die Kanarischen Inseln restlos erobert hatten und ihrem Reich einverleiben konnten. Es hat auch einige Jahre gedauert, bis der Tourismus eine Insel nach der anderen besetzte.

Die größten Inseln, Teneriffa und Gran Canaria, mußten zuerst kapitulieren. Heute halten Betonsilos (Hotels und Apartmentblocks) die schönsten Strände besetzt.

Vor ein paar Jahren noch konnten Individualisten nach Lanzarote ausweichen. Aber nur solange es keinen Flugplatz gab. Kaum war die Piste trocken, landeten schon die ersten BAC 1-11 und Boeing 727. Darauf flüchteten unverbesserliche Einsamkeitsfanatiker nach Fuerteventura, bis sich auch dort die Förderer des Tourismus – Hoteliers, Grundstücksaufkäufer und Baulöwen – einfanden. Die Kapitulation Fuerteventuras ist absehbar geworden. Ein paar Inseln bleiben noch: weiter westlich – in peripherer Lage – Gomera, La Palma und Hierro, die westlichste. Hierro wird auf Jahre hinaus immun gegen Touristen bleiben: es fehlt Wasser.

Anders La Palma. San Miguel de la Palma, wie die Insel richtig heißt, liegt rund 180 km westlich von Teneriffa. Mit dem Flugzeug (fünfmal täglich fliegt IBERIA von Teneriffa aus) ist man in 25 Minuten dort.

Damals, vor 400 Jahren, als die Spanier kamen, konnte La Palma seine Unabhängigkeit am längsten behaupten. Erst im Jahre 1492 wurde die Eroberung der Kanarischen Inseln mit der Invasion La Palmas abgeschlossen. Die Palmeros hatten sich sieben Monate dagegen gewehrt.

Die Palmeros von heute wehren sich gegen den Tourismus, wie sich ihre Vorfahren gegen die Spanier wehrten, allerdings mit größerem Erfolg. Der neue Flughafen, erst 1970 eingeweiht, geriet 50 Meter zu kurz und ist damit für große Jets zu klein. Und an der Westküste der Insel schmorte der Rohbau eines 300-Betten-Hotels drei Jahre in der Sonne, ohne daß er fertiggestellt wurde.

Bewegte Klage über diese mißlichen Zustände wußte noch vor Jahresfrist ein wackerer Hotelier aus Deutschland zu führen. Er wollte sein Geld in der Wachstumsbranche Tourismus investieren und pachtete das Hotel Mayantigo. Nun sieht er sich von den Palmeros im Stich gelassen: "Wenn ich nichts täte, die täten überhaupt nichts, um Touristen anzulocken."