Besitzer protestgeeigneter Citroen-Karossen vom bescheidenen Typ 2 CV werden das Äußere ihrer Wagen möglicherweise bald ändern müssen. Wo bislang keß stand, dieser Wagen koste "nur 72 Mark" Steuern im Jahr, könnte es demnächst heißen : 168 Mark. Der Differenzbetrag zu den dicken Brummern, den die beliebten 2-CV-Aufkleber verdeutlichen, würde dann geringer. Voraussetzung wäre freilich, daß Bundesverkehrsminister Georg Leber seine geplante PS-Steuer zur Ablösung der geltenden Hubraumsteuer auch wirklich durchsetzen kann.

Bis dahin führt aber noch ein weiter Weg. Unterstützt wird der Doppelminister bislang durch eine Absprache der Bonner Koalitionspartner, die sich aber nur auf den Grundsatz und nicht auf die Einzelheiten bezog. Die förmliche Zustimmung des Kabinetts fehlt ihm indes ebenso wie der Konsens des Bundestages. Schon jetzt hat der SPD-Verkehrsexperte Hans Apel zu erkennen gegeben, daß selbst Lebers eigene Reihen nicht fest geschlossen kämpfen wollen.

Leber hat sich den allgemeinen Unmut über die geltende Hubraumsteuer zu eigen gemacht: Sie sei technisch nicht neutral, da sie zum Bau hoch verdichteter, schnell drehender und entsprechend technisch anfälliger Motoren verleite. Diese Motoren wiederum brauchten umweltfeindliche Anti-Klopfmittel wie Bleialkyle. Und schließlich sei die Hubraumsteuer nur mit großem Verwaltungsaufwand zu erheben.

Die in drei Klassen unterteilte PS-Steuer nun, die sich Leber als Neuerung ausgedacht hat, entlastet zwar die Verwaltung, da die Autofahrer den Stand ihrer Steuermoral mit Plaketten sichtbar machen sollen, technisch neutral ist sie indes noch immer nicht. Denn: Da sie in jeder der drei Klassen die Kleinen stärker schröpft wie die Großen, verstärkt sie den Trend zu den größeren und stärkeren Autos, die mehr Benzin verbrennen und mehr Parkraum beanspruchen. Verblüfft über diese Neuerung ließ die FDP sogleich vermelden, über Lebers Plan sei das letzte Wort noch lange nicht gesprochen.

Diese unbequeme technische Nebenwirkung wirft auch einen sozialen Schatten. In der ersten Steuerklasse bis zu 50 PS müßten etwa die Besitzer eines VW 1300 nicht mehr bezahlen als die 2-CV-Fahrer. Freilich, was für die häßlichen Entlein eine Verteuerung von über 100 Prozent wäre, bedeutete für die Volkswagen sogar eine Ersparnis von etwa vier Mark.

Nicht anders wäre es in den Klassen von 51 bis 110 und über 110 PS. So würde etwa, wer für seinen Sechszylinder bislang 864 Mark pro Jahr zahlen mußte, künftig nur noch die Hälfte dem Fiskus geben müssen. Und die Besitzerprestigeträchtiger Mercedes 600 würden gar den größten Rabatt bekommen – aus den Taschen der Kleinen.

Immerhin hat Leber alle diejenigen auf den Plan gerufen, die seinen Plan zwar unisono ablehnen, aber doch sogleich die Ergebnisse jahrelanger Kraftfahrzeug-Steuer-Diskussionen aus den Schubladen kramten. Die CDU/CSU-Bundestagsfraktion entsann sich ihres Gesetzentwurfs, der eine Drei-Klassen-Besteuerung nach dem Gewicht vorsieht. SPD-Apel will Lebers Steuer wenigstens in vier Klassen unterteilen, da dies "etwas weniger" unsozial sei.