Die Reden des CSU-Vorsitzenden Strauß und des neugewählten CDU-Vorsitzenden Barzel standen am Wochenende im Mittelpunkt des CSU-Parteitages in München. Der Parteitag endete am Sonntag mit einem Festakt zum 25jährigen Bestehen der Partei.

Strauß appellierte an die Geschlossenheit von CSU und CDU, ohne die ein Sieg bei der nächsten Bundestagswahl im Jahre 1973 illusorisch sei. Auf einen Kanzlerkandidaten Barzel legten sich aber weder Strauß noch ein anderer führender CSU-Politiker fest. Der Vorsitzende der CSU-Landesgruppe im Bundestag, Stücklen, beschränkte sich auf Andeutungen zugunsten Barzels: "Wir gehen den Weg mit ihm, wir stehen an seiner Seite."

Die CSU setzte eine Kommission ein, die über die Nominierung eines gemeinsamen Kanzlerkandidaten der beiden Unionsparteien und ein gemeinsames Programm beraten soll. Die CDU folgte am Montag dem Beispiel ihrer bayerischen Schwesterpartei.

Sowohl Strauß wie Barzel setzten sich In scharfer Polemik mit der Bundesregierung auseinander. Sie warfen Bundeskanzler Brandt vor, in der Bundesrepublik der Unterwanderung durch linksradikale Kräfte nicht entgegenzutreten und in der Außenpolitik bei gleichzeitiger Lockerung der bisher engen Bindungen an den Westen in die Abhängigkeit Moskaus zu geraten.

Strauß forderte, CDU und CSU sollten den Moskauer Vertrag geschlossen ablehnen. Als Alternative bot er einen "uneingeschränkten Gewaltverzicht" gegenüber den Ländern Osteuropas an. Auch Moskau werde eines Tages feststellen, daß die CDU/CSU als Vertragspartner ernster zu nehmen sei als die gegenwärtige Bundesregierung.

Als Hauptgegner der CDU/CSU nannte Strauß in einem Atemzug Teile der Presse, alle linksradikalen Organisationen, die Mehrheit des Deutschen Gewerkschaftsbundes, Kreise im verbündeten und neutralen Ausland sowie die Sowjetunion.

Zu einer Diskussion der Reden im Plenum kam es nicht. Bereits am Samstag hatte der Parteitag in schneller Folge sechzig Anträge verabschiedet. Ein Beschluß zur auch in der CSU umstrittenen Reform des Abtreibungsparagraphen wurde vertagt.

Im Sozialdemokratischen Pressedienst hieß es am Montag, die ständigen Appelle an die Einigkeit zwischen CSU und CDU bewiesen, wie uneinig man tatsächlich sei. Allerdings sei auch deutlich geworden, daß Barzel heute ganz auf der Linie von Strauß liege. Politikern wie Strauß und Barzel, deren Alternativen zur Politik der Bundesregierung sich in hemmungsloser Demagogie erschöpften, dürfe die Führung der Bundesrepublik nicht anvertraut werden, weil dies die Einleitung einer Zukunftsgefährdenden Entwicklung der deutschen Politik bedeuten würde.