Die Beispiele für soziale Erpressung häufen sich. In einer nach dem Prinzip von Arbeitsteilung und Spezialisierung organisierten Gesellschaft sind Staat und Öffentlichkeit einer entschlossen auftretenden Interessengruppe nahezu hilflos ausgeliefert. Das hat die Bummelaktion der Fluglotsen und jetzt in Paris der Streik der Metro-Fahrer bewiesen.

Die Fahrer verweigerten die Arbeit, weil ihnen eine Neueinteilung der Lohngruppen nicht paßte. Die Folge war ein unvorstellbares Verkehrschaos in Paris. In Büros und Kaufhäusern fehlte teilweise bis zur Hälfte des Personals. Polizei-, Feuerwehr- und Krankenwagen konnten sich in den verstopften Straßen ebensowenig bewegen wie die Versorgungsfahrzeuge, die die Millionenstadt mit Lebensmitteln beliefern und ihren Müll beseitigen. Selbst der Telephonverkehr war behindert, weil das Personal nicht die Vermittlungszentralen erreichte. Die Lähmung der Metropole wirkte sich in dem so stark zentralisierten Frankreich auf das ganze Land aus.

In Paris waren es nur 2000 Angestellte, die ihre Ziele auf Kosten von Millionen Menschen verfolgten. In anderen Fällen genügen noch weniger Spezialisten, um die Allgemeinheit unter Druck zu setzen. Bleiben die Erpresser nur lange genug hart, muß der Staat immer wieder kapitulieren. Gegen die Diktatur der Schaltzentralen gibt es vorläufig kein Mittel. mj