Der Revolutionstheoretiker Regis Debray interviewte den chilenischen Präsidenten Salvador Allende:

Debray: "Eine linksgerichtete französische Zeitschrift berichtete kürzlich unter der Schlagzeile "Revolution ohne Waffen" über Chile. Gibt diese Schlagzeile wieder, was in diesem Land tatsächlich geschehen ist? In der Tat geschah der Regierungswechsel nicht mit Waffengewalt. Aber hat hier überhaupt eine Revolution stattgefunden?"

Allende: "Ich meine, ja. Wir befinden uns in einem revolutionären Stadium der Entwicklung dieses Landes. Was würden Sie denn als Revolution bezeichnen?"

Debray: "Für mich ist die Gewaltanwendung kein notwendiger Bestandteil einer Revolution."

Allende: "Damit stimme ich überein. Revolution ist die Übernahme der Macht, die bisher im Besitz einer Minderheit war, durch die Klasse, der die Mehrheit angehört."

Debray: "Das ist richtig – aber ist dies nicht eine ziemlich leere Definition?"

Allende: "Hier in Chile hat die Klasse, zu der die Mehrheit der Bevölkerung zählt, die Minderheit an der Macht abgelöst. Bestünde noch die Herrschaft der Minderheit, gäbe es keine Verstaatlichung der Kupferindustrie und der Banken und es gäbe keine Landreform."