Von Eckart Kleßmann

Zunächst gab es nur ein Zitat, ein Satz aus dem Tagebuch von Friedrich Gentz: "Am 26. abends um 8 Uhr, nachdem wir unter den Baumen vor dem Schlosse gespeist hatten, stieg der Prinz Louis zu Pferde und ritt das Gebirge hinunter nach Freiberg, um dort sein Kommando zu übernehmen. Seit dieser Stunde sah ich ihn nicht wieder."

Das erwähnte Schloß war Schloß Eisenberg, damals – Gentz notiert den 26. September 1806 – im Besitz des Fürsten Josef Franz Maximilian von Lobkowitz, als Mäzen Beethovens heute noch rühmlicher Erinnerung wert. Und der Prinz Louis war Louis Ferdinand von Preußen, der vierzehn Tage nach seinem Besuch auf Eisenberg bei Saalfeld den Tod in der Schlacht fand. Als Biograph dieses Mannes interessierte mich das Schloß; diese persönliche Bemerkung muß ich vorausschicken, weil alles Folgende sonst nicht nur nicht verständlich würde, es wäre auch sonst gar nicht vorgefallen und ergo nicht zu erzählen.

Schloß Eisenberg in der ČSSR zu finden, ist mühsam. Erstens heißt es heute Jezeři, zweitens verzeichnen es Reiseführer und Straßenkarte nicht, und drittens hat es damit seine besondere Bewandtnis. Man erblickt das mächtige Barockschloß, wenn man mit dem Auto von Aussig an der Elbe (Usty) nach Karlsbad fährt, oberhalb des Dorfes Albrechtice. Das Bauwerk erhebt sich auf einem Felsvorsprung am Südhang des Erzgebirges, aus dichtem Wald emporsteigend.

Zu besichtigen sei Eisenberg nicht, so hatte man uns in Dux (Duchcov) gesagt. Das Schloß sei heute eine Maurerschule. Aber die freundlichen Leute von Albrechtice helfen weiter: Ein gerade noch mit dem Auto zu passierender Waldweg führe direkt zum Schloß.

Es ist abends gegen halb sechs Uhr, als wir vor der bastionsartigen Umwallung halten. Der Wald hält das Schloß auf drei Seiten eng umzingelt, die Südseite fällt steil ab zur Ebene Nordböhmens. Wir klingeln am Tor. Wütendes Hundegebell. Dann wieder fast beklemmende Stille. Endlich erscheint hoch oben auf einer Terrasse ein Kopf, der – das Auto sofort identifizierend – uns auf deutsch zuruft, daß Schloß sei nicht zu besichtigen. Dergleichen hätten wir nicht vor, ein Blick in das Innere der Umwallung genüge. Warum? Wichtig für ein Buch über den Prinzen Louis Ferdinand von Preußen. Erstaunter Ausruf: Louis Ferdinand? Ich komme sofort!

Aufgetan wird uns von Herrn Konečný, einem sehnigen älteren Mann, der uns fast schon im Aufschließen erzählt, daß er der Frühgeschichte des Schlosses auf der Spur sei, er habe nämlich herausgefunden, daß im 13. Jahrhundert... Und was mit Louis Ferdinand sei? Jener, der auch komponiert...? Eben der, sage ich, und da gebe es ein Zitat...