„Wissen Sie, was mit ihr später geschehen ist?" Ich stellte diese Frage jedesmal, wenn er über einen einzelnen Gefangenen sprach. Aber die Antwort war immer dieselbe, in demselben distanzierten Ton, mit demselben höflich interessierten Gesichtsausdruck:

„Ich weiß nicht "

„Aber mit den Arbeitsjuden hatte ich Kontakt", fuhr Stangl dann fort „Wissen Sie — ganz freundliche Beziehungen. Sie fragten mich vor einer Weile, ob mir irgend etwas Freude gemacht hat. Außer meiner speziellen Aufgabe — was mir Freude gemacht hat, waren menschliche Beziehungen. Besonders mit Leuten wie dem Singer und dem Blau. Die waren beide Wiener. Ich hab immer versucht, so viele der guten Arbeiten wie möglich Juden aus Wien zu geben. Das hat natürlich auch eine Menge Zungen in Bewegung gebracht. Aber schließlich und endlich war ich ja Österreicher. Den Singer machte ich zum Chef der Totenjuden. Aber am meisten habe ich mit dem Blau geredet, ihm und seinejFrau. Ihn hab ich zum Koch ernannt, im Arbeitslager. Er und seine Frau hatten eine Kammer, ein kleines Zimmer, neben der Küche. Der hat gewußt, ich würde immer helfen, wo ich konnte.

Eines Tages klopfte er in der Früh an die Tür von meinem Büro, kam herein, stand hab Acht und bat um Erlaubnis, mit mir zu sprechen. Er schaute sehr besorgt aus. Ich sagte: Aber natürlich, Blau. Kommens herein. Was haben Sie denn auf dem Herzen? Er sagte, es war sein SOjähriger Vater; er sei diesen Morgen mit dem Transport angekommen. Könnte ich etwas tun? Ich hab gesagt: Also, Blau, Sie müssen verstehen, das ist unmöglich. Ein Mann von achtz i g Er sagte schnell, ja, das verstehe er natürlich. Aber dürfte er mich um Erlaubnis bitten, seinen Vater ins Lazarett zu führen (wo die Opfer erschossen wurden) statt in die Gaskammer. Und könnte er seinen Vater erst in die Küche nehmen, um ihm etwas Zu essen zu geben. Ich hab gesagt: Ja, tuns, was Sie fürs Beste halten, Blau. Offiziell weiß ich nichts davon. Aber inoffiziell können Sie dem Kapo sagen, ich hab gesagt, es geht in Ordnung. Am. Nachmittag, als ich in mein Büro zurückkam, war er schon wieder da und wartete auf mich. Er hatte Tränen in den Augen. Er stand hab Acht und sagte: Herr Hauptsmrmfuhrer, ich wollt mich nur bedanken. Ich hab meinem Vater zu essen gegeben, und ich hab ihn gerad ins Lazarett geführt — es ist schon alles vorüber. Dank Ihnen vielmals. Ich hab gesagt: Ja, Blau, da ist ja gar kein Grund, mir zu danken. Aber natürlich, wenn Sie mir danken wollen, dann können Sie es tun "

„Und was ist später mit Blatt und seiner Frau passiert?"

„Ich weiß nicht Wieder dieses: „Ich weiß nicht