Wirth kam den nächsten Tag, und wir fuhren zurück nach Treblinka. Er hatte sofort eine lange Besprechung mit Eberl. Ich ging in die Kantine, um Kaffee zu trinken mit den Offizieren. Sie sagten, sie hätten eine große Gaudi: Schießen war ihr Sport.

Es lag mehr Geld und Zeug herum, als man sich je erträumen konnte, und man brauchte sich nur zu bedienen. Am Abend tanzten nackte Jüdinnen auf den Tischen. Ekelhaft — es wir alles ekelhaft. Beim Abendessen später hat Wirth angekündigt, daß Eberl und vier andere für eine wichtige Aufgabe abberufen sind und dß er selbst eine Weile dableiben würde. Eberl und die anderen führen den nächsten Morgen weg. Wirth blieb zwei Wochen oder so und reorgarisierte das Lager. Er hats aufgeräumt, das muß ich ihm lassen. Er rief Warschau an und hat gesagt, alle Transporte müssen aufhören, bis es wieder sauber ist "

„Und was haben Sie während dieser Zeit gemacht?"

„Ja, ich hatte ja meine eigene Aufgabe: den Tatsachenbestand über die Wertsachen festzustellen. Ich hatte das komische Gefühl, daß Winh und Eberl sich zusammengetan hatten Stangl sprach jetzt wie ein Kriminalbeamter, der a n einem Fall interessiert ist „Es schien mir, als ob das fürchterliche Durcheinander fast absichtlich war. Verstehend? Je unmöglicher eine ricitige Kontrolle war, desto leichter war es, das Hauptquartier in Warschau zu umgehen und die Wertsachen direkt an die Führerkanzlei in Berlin zu schicken "

Stangl hatte Eberts Quartier in der Kommandantenbaracke übernommen, Wirth hatte das Gästezimmer neben ihm. Eines Abends sagte ihm Wirth, daß Kurt Franz (Stangls späterer Stell. Vertreter) in Kürze in Treblinka eintreffen werde, um „diesen Haufen in Schwung zu bringen". „Ich bin zurück zum Globocnik", fuhr Stangl fort, „und ich hab ihm gesagt, daß meiner Meinung nach Eberl und Wirth sich zusammengetan hätten, um die Wertsachen aus Treblinka anstatt in das Hauptquartier in Warschau nach Berlin zu schicken. Globocnik rief aus: Ah die Strolche, als ob das endlich etwas erklärte, was ihm schon lange ein Rätsel gewesen war. Ich hab ihm dann gesagt, daß ich bereit war, die Verantwortung dafür zu übernehmen, daß von jetzt ab alles genau an sein Büro abgeliefert wird "

Die Düsseldorfer Staatsanwaltschaft erklärte im Prozeß, daß Stangl dieses Angebot nicht gemacht habe, um seine Funktion im Lager auf eine rein „polizeiliche Tätigkeit" zu begrenzen, sondern weil er gehört hatte, daß Kurt Franz kommen sollte und er selber seine Position in der Rangordnung des Lagers bewahren wollte. Wie dem auch sei, Stangl bestätigte später in unseren Gesprächen, daß Globocnik ihm von dem Tag an vollkommen traute und ihn oft mit ausgesuchter Freundlichkeit behandelte.

„Das bedeutete also, daß Sie Globocnik Ihre Mitarbeit direkt anboten?"