Wir fühlen uns sehr geehrt, daß man unsere Qualitäten in England so hoch einschätzt", dankte ein Sprecher des niederländischen Konzerns Koninklijke Nederlandsche Hoogovens en Staalfabrieken N. V. in Ijmuiden. Die British Steel Corporation, in der die verstaatlichte englische Stahlindustrie zusammengefaßt ist, will sich britischen Pressemeldungen zufolge bei einem EWG-Beitritt Großbritanniens an dem niederländischen Unternehmen beteiligen.

Hoogovens steht jedoch einer Zusammenarbeit mit dem englischen Konzern ablehnend gegenüber. "Wir stehen, das ist seit langem bekannt, in Verhandlungen mit dem deutschen Stahlkonzern Hoesch AG. Es gibt zwar noch Schwierigkeiten für einen internationalen Zusammenschluß über die Grenzen hinweg, aber wir sind guten Mutes."

In Ijmuiden glaubt man, daß die Zeitungsmeldungen nicht mehr als ein Versuchsballon sind. Denn von dem Hoogovens-Kapital von 226,6 Millionen Gulden befinden sich 29 Prozent im Besitz des Staates, neun Prozent gehören der Stadt Amsterdam, während 62 Prozent breit gestreut sind. Da weder der Staat noch die Stadt Verkaufsabsichten haben, müßte sich die British Steel Corp. eine Beteiligung über die Börse zusammenkaufen, so daß eine Ankündigung dieses Vorhabens den Preis der Aktien in die Höhe treiben würde.

Angesichts der vielen unrentablen Anlagen vor allem im Norden Englands – der Jahresverlust des staatlichen Konzerns wird auf fast 800 Millionen Mark geschätzt – wäre eine Partnerschaft mit Hoogovens in England sicher willkommen, da die hochmoderne holländische Firma im letzten Jahr immerhin 20 Prozent Dividende ausschüttete. Zudem plant Hoogovens den Bau eines modernen Stahlwerkes an der Küste, das die Standortnachteile vieler englischer Betriebsstätten ausgleichen könnte. mh