Wolf Donner, Heinz Josef Herbort, Hellmuth Karasek, Petra Kipphoff, Rudolf Walter Leonhardt, Hayo Matthiesen und Dieter E. Zimmer berichten von der Buchmesse

Es war, wie immer, die größte. Die Frankfurter Buchmesse zeigte viel weniger von einer Krise des Buches, viel mehr von einer Krise Frankfurts: Alle deutschen (und nicht nur die deutschen) Großstädte haben Kummer mit dem Verkehr; in Frankfurt jedoch kann während der Messe von "Kummer" keine Rede mehr sein, da ist nur noch totaler Zusammenbruch zu registrieren.

Seit nunmehr drei Jahren wird an der Autobahn-Auf- und Abfahrt zum Messegelände "Frankfurt West" gebastelt: seit nunmehr drei Jahren stauen sich Schlangen vor einer Behelfsabfahrt.

Wenn ein Parkplatz wie der der Frankfurter Messe, also einer mit etwa 2500 Plätzen, so ziemlich mit einem Schlag geräumt wird, wenn nämlich die Messe abends schließt, wenn der Verkehr abfließt auf eine schmale und sowieso stark befahrene zweispurige Fahrbahn, wenn deren Spur stadteinwärts sich ohne Ampel oder Polizei einfädeln soll auf einen Autobahn-Zubringer, auf dem zu dieser Stunde die Kolonnen sich sowieso kilometerweit aufstauen – wenn sich das Blech also wirklich nicht mehr vorwärts oder rückwärts rührt, dann hat die Verkehrsplanungsbehörde der Stadt Frankfurt einen schlüssigen Beweis gegen den Individualverkehr erbracht.

Wer, vor der Autoabfahrt gewarnt, mit dem Zug ankommt, der steigt am Hauptbahnhof in ein Taxi, sagt ahnungslos: "Zur Messe, bitte" und wird dann von einem zähen drei- bis sechsspurigen Lavastrom aufgesaugt, aus dem es kein Entrinnen mehr gibt.

Nach zehn Minuten der erste Schock, ein Anfall von Klaustrophobie: Man hat beschlossen, zu Fuß zu gehen, man will raus und kann nicht, der Wagen ist zentimeterdicht eingekeilt. Man sackt resigniert zusammen.

Nach zwanzig. Minuten der zweite Schock: Man sieht zufällig links eine Straße entlang und erblickt – den gleichen Hauptbahnhof, an dem man eingestiegen war. Man sackt noch mehr zusammen.