ARD, Sonnabend, 16.Oktober: "Guten Abend, Nachbarn"

Wenn der Sender nicht dafür gesorgt hätte, daß schon wochen-, ja monatelang darüber geredet wurde, wäre es vielleicht gar nicht so schlimm gewesen. So aber waren die Erwartungen, eine Art von EWG im Quadrat zu erleben, gewachsen. Aber da war nichts dergleichen, was einen jubeln ließe: "Prima Unterhaltung."

Das neue Quiz mit dem Titel "Guten Abend, Nachbarn" hat mit dem alten Quiz "Einer wird gewinnen" nur noch die völkerverbindende Attitüde gemein. Im übrigen ist das neue Spiel langweiliger als das alte, weniger witzig und weniger überraschend, und Schlagfertigkeit wird gar nicht erst gefordert: Die fünf Kandidaten aus fünf Ländern brauchen nur möglichst viel zu wissen, und das auch nur ganz obenhin: etwas Taschenlexikon in einem Band.

Da nicht viel passiert in diesem Spiel, aus dem nach der zweiten Frage der erste ausscheidet und am Ende einer übrigbleibt, entstehen Lücken; um sie nicht spürbar werden zu lassen, muß sich der Quizmaster ganz schön anstrengen. Hans-Joachim Kulenkampff hatte es also nicht leicht. Aber leider ging’s schief: Er war schwatzhaft, seine Lustigkeit verkrampft, er redete eine Menge dummes Zeug, und da er – was man ja versteht nach so reichlicher Publizität – wohl ziemlich hohes Lampenfieber hatte, rettete er sich in Wendungen und Posen, die man auf schlechten Theatern pflegt.

Die Ursache für diese Unsicherheit hatte Kulenkampff gleich am Anfang zu erkennen gegeben, weitschweifig und verwaschen: es war die Kritik an seiner fehlenden "Progressivität", an der Belanglosigkeit "reiner Unterhaltung", mit der man ihm zwei Jahre lang in den Ohren gelegen hatte. Leider gelangen ihm nur ein paar kokette Frotzeleien, nicht aber eine amüsante Verteidigung guter Unterhaltung.

Aber diesmal gab es halt wenig Konkretes zu verteidigen. Das Spiel, bei dem die Kandidaten vor jeder Frage entscheiden müssen, wieviel Punkte sie riskieren, ist selber nicht sonderlich unterhaltsam, und was zur Unterhaltung sonst noch aufgeboten wurde, war von einer sträflichen Einfalt: Da es um Frankreich ging, traten Künstler aus Frankreich auf, die streng gehalten schienen, das alte Klischee von den Franzosen nicht zu zerstören mit Liebe, Küßchen, Baskenmütze, Musette-Walzer auf dem Schifferklavier und dem Monsieur Pascal als einem ganz miserablen Schlagersänger.

In einem Filmchen trat der Quizmaster, erwartungsgemäß, persönlich auf, als Dressman. Hat er sich, als er den Schmarren sah, vielleicht ein bißchen geschämt?

Aber es geht weiter, und das Publikum ist auch schon wieder zum "Mitspielen" aufgerufen: Zum Tippen, wer mit wieviel Punkten Sieger über Italien wird. Autos gibt’s! Manfred Sack