Neu in Museen und Galerien:

Bremen Bis zum 5. Dezember, Kunsthalle: "Maurice Denis"

Bremen hat das Verdienst, das deutsche Publikum systematisch mit der Malerei der Nabis bekannt zu machen, dieser elitärsten Künstlergruppe im Pariser Fin de siècle, die der "Revue Blanche" nahestand, sich für Gauguin begeisterte und ihre symbolistische Ästhetik mit priesterlicher Feierlichkeit zelebrierte. Nach Bonnard, Roussel und Emile Bernard ist jetzt Maurice Denis an der Reihe. Paris hat ihm 1970 die fällige Zentenarausstellung in der Orangerie des Tuileries ausgerichtet. Maurice Denis ist der Theoretiker der Gruppe, und in seinen frühen Bildern der Nabi par excellence, ein Schöngeist, der Mallarmé und die Poesie der Symbolisten in das Medium der Malerei transponiert. "Der Mond verging vor Trauer. Seraphim in Tränen / träumend die Hand am Bogen, ruhig vom Hauch umgössen / der Blumen, zogen weiße Seufzer aus dem Sehnen / sterbender Geigen, die aufs Blau der Kronen flossen." Zu diesem Mallarmé-Gedicht hat er eine Lithographie gedruckt, er hat das erste Buch von André Gide illustriert, der seinerseits die erste Denis-Ausstellung eröffnet hat. Man sieht in Bremen ein paar wundervolle Bilder aus den frühen neunziger Jahren, in denen die Poetisierung der Malerei vollkommen geglückt ist, kleine Landschaften, eine Promenade, ein "Bretonischer Tanz". Die reale Szene wird zum seelenvollen Ornament stilisiert. Symbolismus, schreibt Denis, "ist die Kunst, Seelenzustände zu vermitteln und hervorzurufen ... durch die Korrespondenz von Linien, Formen und Farben". Knappe zehn Jahre kann Denis den symbolistischen Balanceakt zwischen Literatur und Malerei durchhalten. Dann rettet er sich in den durch eine jahrhundertealte Tradition abgesicherten Bereich der christlichen Kunst. Die religiöse Thematik begünstigt und verstärkt seine eklektizistischen Neigungen. Die Bremer Ausstellung bietet, aus Gründen kunsthistorischer Objektivität, eklatante Proben dieses künstlerischen Niedergangs, der gelegentlich auch noch in den zwanziger Jahren durch kleine Landschaften, die an seine beste Nabi-Zeit erinnern, unterbrochen wird.

Nürnberg Bis zum 28. November, Ger-

manisches Nationalmuseum: "Mit Dürer unterwegs"

Diese Ausstellung der Albrecht-Dürer-Gesellschaft ist nun wirklich die letzte Nürnberger Bilderschau zum Dürer-Jahr. Über die Idee der Faber-Castell-Künstlerreisen ist viel diskutiert und viel gelacht worden. Jüngere deutsche Maler sollten auf Dürers Spuren nach Italien oder den Niederlanden reisen. "Liebe zum Altmeister Dürer war allenfalls erwünscht, nicht Bedingung." Das Ergebnis dieser mäzenatischen Allüre (Graf von Faber-Castell, Vorsitzender der Albrecht-Dürer-Gesellschaft, ließ sie sich 50 000 Mark kosten) ist viel besser, als man das erwartet hätte: keine anachronistische Heuchelei, kein Versuch, Landschaft mit Dürers Augen zu sehen. Die Blätter der sechs Maler und Graphiker wären allerdings genauso gut und sehenswert, wenn es sich nicht um Dürer-Motive gehandelt hätte. Jeder ist mit sich selber unterwegs, spätestens nach der ersten Einübung ins Motiv ist Dürer vergessen. Das gilt speziell für Peter Ackermann, den Topographen verfallender Architekturen und imaginärer Stadtlandschaften, wenn er seinen Blick auf das Schloß von Trient und den Fondaco dei Tedeschi richtet. Carl-Heinz Kliemann verliert sich in der anthropomorphen Landschaft des Cembratals. Manfred Bluth belebt das Hallertor mit phantastischer Figuration. Michael Mathias Prechtl zeichnet auf Dürers Spuren das Inferno eines Landschaft und Architektur überrollenden Autotourismus.

Gottfried Sello