Berlin

Die Ruhe war trügerisch. Als nach den Wahlen zum Berliner Abgeordnetenhaus im März dieses Jahres die SPD nur noch die knappe Mehrheit erhielt, da setzte die Partei auf Konzentration der Kräfte; sie hoffte, sie dadurch zu fördern, daß sie führende Vertreter des linken Flügels, wie Harry Ristock und Ilse Reichel, in Stadtämter hob. Der Parteitag der Berliner SPD am Wochenende hat gezeigt, wie wenig haltbar dieser Kompromiß war.

Bei der Wahl der Delegierten zum SPD-Bundesparteitag wollte der linke Flügel der Berliner Partei vier von vierzehn Delegierten stellen, die er namentlich benannte. Ristock, Reichel und Peter Lösche wurden nominiert; der vierte Kandidat, Professor Klaus-Peter Kisker, fiel in zwei Wahlgängen durch. Die Mehrheit der Berliner Genossen wollte diesen Vertreter der äußersten Linken nicht zum Bundesparteitag schicken.

Daraufhin gaben nach heftigen internen Auseinandersetzungen des linken Flügels Ristock, Reichel und Lösche ihre Mandate zurück. Die etablierten Linken mit ihren Partei- und Landesämtern haben sich diesmal von den vereinigten Minderheiten, vor allem aus den "Südstaaten" Zehlendorf und Steglitz, majorisieren lassen.

Die Wahl der Delegierten soll nun am 1. November wiederholt werden. Sie wird wohl nicht anders ausgehen als am letzten Wochenende – es sei denn, der linke Flügel der Berliner SPD bricht auseinander. J. N.