Von Heidi Dürr

Ich finde es viel anstrengender als früher", sagte Willi Droemer Der Chef des Verlags Droemer-Knaur drückte damit aus, was auch von anderen Verlegern immer wieder zu hören war: Die 23. Frankfurter Buchmesse war eine Arbeitsmesse, hart und anstrengend. Vergnügungswillige, die sonst immer voll auf ihre Kosten kamen, hatten diesmal das Nachsehen.

Das lag nicht nur daran, daß diese Messe, immer schon die größte Buchausstellung der Welt, in diesem Jahr noch größer und weitläufiger war als früher: 3581 Verlage, 183 mehr als im Vorjahr, stellten 241 000 verschiedene Bücher aus, darunter allein 78 000 Neuerscheinungen.

Die freudlose Messeatmosphäre, der das kühle, meist regnerisch trübe Wetter entsprach, spiegelte die Situation der meisten Aussteller wider. In den deutschen Verlagen hat der nüchterne Alltag Einzug gehalten. Pessimismus, wie ihn beispielsweise die englischen und skandinavischen Verleger verbreiteten, die sich mit drastischen, teilweise ruinösen Umsatzeinbußen zurechtfinden müssen, ist in der Bundesrepublik allerdings nicht am Platze. Aber die Probleme lassen sich nicht mehr übersehen. Sie differieren von Verlagssparte zu Verlagssparte. Über eines freilich klagen alle Verlage gemeinsam: die Steigerung der Lohnkosten. Sie hat allein im letzten Jahr 15 bis 20 Prozent betragen. Auf so ungewöhnlich lohnintensive Unternehmen wie Verlage, die sehr bald an die Grenzen ihrer Rationalisierungsmöglichkeiten stoßen, hat das – im Vergleich zu anderen Betrieben – eine überproportionale Steigerung der Gesamtkosten zur Folge.

Die Konsequenzen zeigen sich um so deutlicher, als die meisten Verlage nicht in die Preise ausweichen können. Buchpreise sind in diesem Land keine politischen, wohl aber psychologische Preise. Bücher, das ist die allgemein verbreitete Meinung, müssen billig sein. Viele, die an einem Abend ohne weiteres 25 Mark für drei Whiskys ausgeben, sind nicht bereit, dieselbe Summe für ein mehrere hundert Seiten dickes Buch zu zahlen.

Um die psychologische Schwelle, die für Romane und Sachbücher zur Zeit zwischen 25 und 39 Mark liegt, zu umgehen, sind mehrere Verlage schon lange dazu übergegangen, die erste Auflage nicht kostendeckend zu kalkulieren. Die zweite Auflage, zuweilen sogar erst die dritte, muß dann die Kosten und die Gewinne einspielen – eine gefährliche Methode, wenn der potentielle Käuferkreis überschätzt wurde.

Erstreckt sich die Neuauflage zudem über einen Zeitraum von ein oder zwei Jahren, wird der einkalkulierte Gewinn häufig von der Inflation aufgefressen, zumindest empfindlich geschmälert. Denn anders als in anderen Branchen ist es im Verlagswesen in der Regel nicht üblich, jedes Jahr die Preise zu erhöhen. Ein Buch, das 1970 auf einen Ladenpreis von 22 Mark berechnet wurde, kostet auch 1972 noch genausoviel, obwohl in der Zwischenzeit die Kosten für den Nachdruck, für Werbung und Vertrieb gestiegen sind.