ZEIT: Sowohl in den Unionsparteien als auch in der Bundesregierung gibt es Stimmen, die in der gegenwärtigen Weltwährungssituation das Gewicht der europäischen Staaten betonen und vor allem eine Einigung zwischen der Bundesrepublik und Frankreich fordern – möglicherweise um jeden Preis. Wie stehen Sie dazu?

Erhard: Es muß auf jeden Fall zu einer deutsch-französischen Einigung kommen, aber nicht nur zwischen diesen beiden Staaten. Es muß dazu kommen, daß die europäischen Länder etwas unterschiedlich aufwerten, damit man von dem Floating wieder wegkommt und feste Paritäten mit allerdings größeren Bandbreiten erreicht.

ZEIT: Derzeit haben wir aber gegenüber dem Dollar einen Aufwertungseffekt von rund zehn Prozent und fast den gleich hohen Aufwertungseffekt gegenüber dem französischen Franc erreicht.

Erhard: Das ist zweifellos zu viel. Wir können nicht innerhalb von zwei Jahren um 20 Prozent aufwerten, wenn die ganze übrige Welt stillhält. So stark ist unsere wirtschaftliche Überlegenheit nicht, daß wir im Wettbewerb dadurch keinen Schaden erleiden würden.

ZEIT: Hat es nach Ihrer Meinung jetzt noch Sinn, diesen Kurs des Floating, den wir eingeschlagen haben, rückgängig zu machen und den Devisenzufluß mit anderen Mitteln zu stoppen?

Erhard: Die Freigabe der Wechselkurse bedeutet ja von Grund auf nicht einen Verzicht auf Intervention. Ich bin der Meinung, die Bundesbank muß intervenieren. Sie hätte schon früher intervenieren müssen, bei einer Aufwertungsrate von sechs bis sieben Prozent.

ZEIT: Mußte man sich in der Bundesrepublik nicht von vornherein auf ein "verschmutztes Floating" bei anderen Staaten einstellen?