Panamas Außenminister Juan Antonio Tack beschwor den Geist der UN-Charta: Der augenblickliche Zustand sei ein "Eingriff in die fundamentalen Rechte eines souveränen Staates". Die USA müßten dem zentralamerikanischen Staat die uneingeschränkte Hoheit über die Kanalzone zurückgeben. Er hoffe aber, wie er UN-Generalsekretär U Thant schrieb, die seit drei Monaten laufenden Verhandlungen über einen neuen Kanalvertrag würden im "Geiste der Gerechtigkeit und Gleichheit" enden.

General Torrijos, Oberbefehlshaber der Nationalgarde und eigentlicher Chef der Militärjunta, erklärte dagegen ebenfalls in der vergangenen Woche vor 100 000 Demonstranten in Panama, die Regierung verliere langsam die Geduld. Die kolonialistische Enklave der Kanalzone müsse bald verschwinden.

Die Forderung nach Rückgabe der Kanalzone ist alt; neu ist dagegen die härtere Tonart, zu der Washington selbst unfreiwillig beigetragen hat: Im Vorjahr kam eine US-Experten-Kommission zu dem Ergebnis, daß ein neuer, größerer Kanal nur 15 bis 16 Kilometer westlich des alten auf panamaischem Staatsgebiet angelegt werden sollte. Washingtons unverkennbares Interesse an dem 1,2-Milliarden-Projekt hat Panamas Stellung deutlich gestärkt.

Pläne für einen neuen Kanal werden seit fast 50 Jahren erwogen. Für moderne Großschiffe, aber auch für amerikanische Flugzeugträger ist die 81,3 Kilometer lange und zwischen 90 und 300 Metern breite Wasserstraße zu klein. Zwar soll sie bis Ende 1971 von 12,4 auf 14,3 Meter Wassertiefe gebracht werden, Engpässe bleiben aber die drei Schleusenstufen mit ihren 35×330 Meter messenden Kammern, in denen die rund 15 000 pro Jahr passierenden Schiffe um 26 Meter gehoben und gesenkt werden. Der neue Kanal soll deshalb niveaugleich, also ohne Schleusen, angelegt werden, damit der seit der Schließung des Suezkanals sprunghaft gestiegene Verkehr besser bewältigt werden kann.

Panama will freilich erst einen besseren Vertrag aushandeln und dann einen zweiten Kanal bauen. Die heute noch gültigen Bedingungen wurden 1955 vereinbart: Eine jährliche Pachtgebühr von 1,9 Millionen Dollar und 17 Cent pro Tonne Fracht. 1964 kam es zu blutigen Unruhen in der Kanalzone, die 25 Menschenleben forderten. Drei Jahre später lagen Entwürfe einer neuen Vereinbarung vor: Erhöhung der Pachtgebühr auf 17,5 Millionen Dollar und des Gebührenanteils auf 22 Cent pro Tonne; Übertragung der vollen Souveränitätsrechte an den Staat Panama; Errichtung einer gemischten Verwaltungsgesellschaft; Verkleinerung der Kanalzone; Neuregelung der Stützpunkte in der Nachbarschaft des Kanals.

1968 putschte General Torrijos und überstand wenige Monate später eine Gegenrevolte, an der auch der amerikanische Geheimdienst CIA beteiligt war. Seine Regierung lehnte die Vertragsentwürfe von 1967 ab. Ende Juni des Jahres begannen dann in Washington neue Verhandlungen, die zwar – so Außenminister Tack – "offen und ehrlich" geführt werden, der Militärjunta aber offenbar zu langsam vorangehen. Sie verlangt die volle Souveränität über die Kanalzone, eine Reduzierung der militärischen Präsenz der USA und eine Revisionsklausel.

Torrijos hat eine neue Figur ins Spiel gebracht; Den zweiten Kanal, so deutete er noch im Juli an, könne Panama notfalls auch ohne die Amerikaner bauen. Ein Finanzierungsangebot aus Japan läge bereits vor; eine Beteiligung des Ostblocks sei immerhin nicht ausgeschlossen.