Im Kampf um die italienische Finanzholding Bastogi mußte die Westdeutsche Landesbank – Girozentrale, Düsseldorf-Münster, in der ersten Runde zu Boden. Ihr außerordentliches Kaufangebot an die 50 000 freien Aktionäre endete mit einem Mißerfolg.

Das mit der Abwicklung der Aktion beauftragte Börsenkomitee der Mailänder Makler registrierte 12,82 Millionen Aktien auf dem Sperrdepot. Aber nur falls 20 Millionen Stück zusammenkamen, war das Angebot der Landesbank auf Übernahme der Aktien zum Sonderkurs von 2800 Lire je Stück bindend. Nur dieser Betrag in Höhe von 30 Prozent des Bastogi-Kapitals hätte zusammen mit den bereits verfügbaren Aktien der hinter der Landesbank stehenden internationalen Finanzgruppe, die Bastogi-Mehrheit gesichert.

Daß die Landesbank auch die 12,82 Millionen Aktien nicht aufnahm – dazu war sie laut Angebot berechtigt, aber nicht verpflichtet –, zeigt ihre schwache Position im Börsenmanöver um eine der größten italienischen Finanzholdings. Die "internationale Gruppe, die der Landesbank den Auftrag gegeben hat, ist der Ansicht, daß der Erwerb eines großen Minderheitspakets unter den gegenwärtigen Umständen der Bastogi keine Vorteile brächte", teilte der italienische Rechtsbeauftragte von Ludwig Poullains großem deutschen Kreditinstitut dem Mailänder Maklerkomitee lakonisch mit.

Weshalb nur rund 10 000 Aktionäre ihre Bastogi-Aktien zu einem weit über dem Börsenkurs und über dem Substanzwert liegenden Preis verrungsmittelgruppe Pavesi seien nämlich vorher noch rasch auf die Montedison umgegliedert und gegen magere Gesellschaften eingetauscht worden.

Auch gegen Pesenti wird schweres Geschütz aufgefahren. Pesentis Privatbank habe in den letzten Wochen für 20 Milliarden Lire Bastogi-Aktien auf Kredit gekauft, heißt es, und ein derartiges Manöver ist den italienischen Geschäftsbanken nicht gestattet.

Cefis, der bei der Abwehr des Poullainschen Kaufangebots auf die Brudertreue sämtlicher italienischer Großbanken bauen durfte, der ferner auch den Segen des Zentralnotenbankpräsidenten und bei der Ausführung seines Plans die tatkräftige Unterstützung von Italiens mächtiger und ebenfalls staatlicher Industriefinanzierungsbank Mediobanca hat, sieht allerdings seine Prozente jetzt auch aus einer anderen Richtung gefährdet. Dem sozialistischen Regierungspartner, aber auch einigen christlich-demokratischen Politikern in Rom wird die Macht einzelner Bosse der Staatsindustrie zu groß. Sie fordern zumindest, daß Montedison den Brocken Bastogi nicht behalten darf, sondern an eine neue Holding weitergibt, die dann wiederum unter dem Einfluß anderer Staatsholdings "neutralisiert" werden soll. Der Staat hat ein probates Mittel, um Cefis gefügig zu machen: Er kann die Steuerbegünstigung für die Bastogi-Fusionen von gewissen Auflagen abhängig machen.

Der Kampf um Bastogi kommt also nach der ersten Runde erst so richtig in Gang. Aber auch wenn Poullain und seine Auftraggeber letztlich wenig Aussicht haben, die Verpflichtungen zwischen Italiens Staatsindustrie, römischer Parteienpolitik und klerikalen Aktienportefeuilles zu durchbrechen, so hat das öffentliche Kaufangebot der Westdeutschen Landesbank doch einen heilsamen Schock in Italiens Hochfinanz ausgelöst.

Auch hartgesottene Konzernstrategen sind jetzt nicht mehr so sicher, ob sie auch in Zukunft noch mit 5,8 und zehn Prozent Aktienbesitz die Kontrolle über große Gesellschaften und selbst Weltkonzerne ausüben können. Und schon werden auch Fragen nach dem Stimmrecht und dem Wohlverhalten der Großbanken gegenüber ihren Depotkunden laut. OPA (offerta publica = öffentliches Kaufangebot) haben Italiens Börsenpublikum munter gemacht. Friedhelm Gröteke