In den letzten Wochen standen die Weltbörsen im Schatten der Währungskrise. An fast allen Plätzen neigten die Kurse zur Schwäche. Eine Ausnahme war zeitweise London, weil hier bei den Unternehmen mit Gewinnsteigerungen gerechnet wird. Doch letztlich gaben auch die meisten englischen Aktien in den vergangenen vier Wochen leicht nach.

Auf die Bekanntgabe der Phase II des amerikanischen Wirtschaftsprogramms, das die amerikanische Wirtschaft weiter in den Dirigismus führen soll, reagierte die New Yorker Börse vorstellen, Man kann sich bisher nicht so recht vorstellen, wie Preiskommission und Lohnausschuß arbeiten sollen. Was aber noch nachdenklich stimmt, sind die Meldungen über die wirtschaftliche Entwicklung. Sie wird gekennzeichnet durch einen Anstieg der Lagerbestände im Großhandel sowie durch rückläufige Industrie- und Großhandelsumsätze. Unter diesen Umständen ist fraglich, ob sich die recht optimistischen Gewinnschätzungen für das letzte Quartal realisieren lassen werden.

In Paris wurden seit Jahren nicht mehr erreichte Tiefstkurse notiert. Frankreichs Export beginnt unter den Preissteigerungen der letzten Jahre ernsthaft zu leiden. Im September gab es bereits einen leichten Importüberschuß. Es wird bezweifelt, ob die zwischen der französischen Regierung und einigen Branchen abgesprochene Preisstabilität auch verwirklicht werden kann. Ausländer interessieren sich zur Zeit für französische Aktien nicht mehr.

Rückläufige Notierungen gab es auch für die großen holländischen Standardwerte, obwohl bei Royal Dutch und Unilever die Gewinnschätzungen heraufgesetzt worden sind. Philips-Papiere bewegen sich weiterhin in der Nähe ihres Jahrestiefststandes. Eine durchgreifende Erholung zeichnet sich noch nicht ab.

Die Tokioter Börse stand im Zeichen anhaltender Auslandsverkäufe. Dabei stammten die Abgaben zu einem großen Teil aus den USA. Mit Sicherheit wird der japanische Export in die USA künftig mit erheblichen Schwierigkeiten zu kämpfen haben. Es ist fraglich, ob es den Japanern gelingt, sofort neue Märkte für den kleiner gewordenen US-Markt zu finden. Unter der Kursschwäche hatten besonders die Kurse der großen, international arbeitenden Konzerne zu leiden.

An der Mailänder Börse ging die Abwärtsbewegung weiter. Die Industrieproduktion ließ weiter nach. In den ersten 6 Monaten verlor die italienische Wirtschaft 6,6 Millionen Streiktage. Mit dieser Ziffer liegt Italien weiterhin an der Spitze aller EWG-Staaten. In seltener Ehrlichkeit hat Haushalts- und Planungsminister Giolitti zugegeben, daß es in der gegenwärtigen wirtschaftlichen Situation nichts mehr zu planen gibt. Nur noch ein Wunder könnte die Industrieproduktion, wieder steigen lassen. Das ist natürlich kein Klima für die Aktienanlage. K. W.